Finanzen, Versicherungen & Co. auf dem Prüfstand: Warum das jetzt wichtig ist

Finanziell gut durch die 60er

Wie die Zeit vergeht, die 60er sind da. Der Renteneintritt ist nun für viele nicht mehr weit entfernt - und nicht wenige fragen sich: Reicht mein Geld für einen auskömmlichen Lebensabend?

Eine häufig genannte Faustregel: Um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu halten, sollten etwa 80 % des letzten Nettoeinkommens zur Verfügung stehen. Ist das bei Ihnen der Fall?

Einnahmen und Ausgaben einander gegenüberstellen

Analysieren Sie zuerst Ihre finanzielle Situation:

  • Werden Sie Leistungen aus betrieblichen, gesetzlichen und privaten Renten beziehen und wie hoch werden diese sein?
  • Mit wie viel Geld können Sie aus einer eventuell bestehenden Riester- oder Rürup-Rente rechnen?

Nehmen Sie außerdem Ihre Ausgaben in den Blick. Also die Kosten für die tägliche Lebenshaltung sowie für Miete, Strom, Gas und Wasser. Außerdem fürs Auto, für mögliche Kreditraten und Versicherungsprämien sowie den Fiskus. Denken Sie auch an Ihre Ausgaben für Hobbys und Reisen.

Experte: Lebenserwartung nicht unterschätzen, Pflegerisiko nicht überschätzen

Was bei der Planung fürs Alter wichtig ist: „Unterschätzen Sie nicht Ihre Lebenserwartung und überschätzen Sie nicht das Pflegerisiko“, erklärt der Finanzexperte und Buchautor Gerd Kommer. In Sachen Lebenserwartung hätten die meisten statistische Mittelwerte im Blick. Viele Menschen erreichten aber ein weitaus höheres Alter. Konkret heißt das, dass sie auch mehr Geld für den Ruhestand brauchen. Und das Pflegerisiko? Das volle Risiko abzusichern, ist aus Sicht von Kommer sehr teuer - für die meisten zu teuer. „Deshalb plädiere ich tendenziell dafür, über die gesetzliche Pflegeversicherung hinaus nichts zu tun.“

  • Wer sich dennoch absichern will, kann eine Pflegetagegeld-, eine Pflegekosten- oder eine Pflegerentenversicherung abschließen. Die Leistungen unterscheiden sich erheblich. Verbraucherzentralen beraten bei der Suche nach einem geeigneten Tarif. Weitere Infos gibt es etwa bei der Verbraucherzentrale. Auch die Stiftung Warentest bietet Tipps in Sachen Pflegeversicherung.

Kapitalbildende Lebensversicherung läuft aus - was tun mit dem Geld?

Apropos Versicherungen: Bei vielen läuft in den 60ern eine kapitalbildende Lebensversicherung aus. Und nun - wie sich das Geld auszahlen lassen? Diese Optionen gibt es:

  • Leibrente: Sie wird in aller Regel lebenslang ausgezahlt, unabhängig davon, wie alt man wird, und egal, ob das eingezahlte Geld aufgebraucht ist oder nicht. „Die Leibrente ist somit eine Art Spekulation auf ein ziemlich langes Leben“, erklärt Klaus Morgenstern vom Deutschen Institut für Altersvorsorge. Das Versicherungsunternehmen überweist jeden Monat den vereinbarten Betrag, bis die versicherte Person stirbt. Bei einem frühen Tod geht das restliche Geld an die Versichertengemeinschaft; soll es Erbenden zugutekommen, kann für den Todesfall vor Rentenbeginn eine Beitragsrückgewähr beziehungsweise nach Rentenbeginn eine Rentengarantiezeit vereinbart werden. Beides ist mit Kosten verbunden.
  • Bankauszahlplan: Bei dieser Variante gibt es für die vereinbarte Laufzeit einen festgelegten Betrag. Ist zum Laufzeitende das Kapital ausgebraucht, ist Schluss mit dieser Zusatzeinnahme. Im Todesfall vor Ende der Laufzeit, geht das Kapital automatisch an die Erbenden.
  • Fondsauszahlplan: Hierbei kaufen die Investierenden Fondsanteile. Eine Zusatzrente erzielen sie durch regelmäßige Verkäufe. Ohne Risiken sind Fondsauszahlpläne allerdings nicht. Fallen die Kurse, dann gilt es, sich zu entscheiden: die Auszahlungen zeitweise reduzieren oder ganz einstellen. Steigen indes die Kurse, können sich Anleger*innen höhere Auszahlungen bewilligen - oder das Geld reicht länger. „Der Nachteil eines Fondsauszahlplans ist, dass es keine Garantien und keine lebenslangen Leistungen gibt“, sagt Morgenstern.

Sparziele genau definieren

Angenommen, Sie haben bei Ihrem Finanzcheck festgestellt, dass Sie für Ihren Lebensunterhalt im Alter noch Geld sparen müssen. Kein Problem, dafür ist es nie zu spät. Experten empfehlen, dass Sie in den 60ern keine Anlageprodukte wählen sollten, bei denen Sie sich allzu lange binden. Sie haben andere Sparziele als (zusätzliches) Geld für den Lebensabend? Hier lautet der Rat: In jedem Fall das jeweilige Ziel genau definieren. Reisen zum Beispiel, der Kauf eines E-Autos oder die finanzielle Unterstützung des Nachwuchses.

Faustregel: 100 minus Lebensalter ist gleich Aktienanteil

Viele fragen sich, für welche Anlageprodukte sie sich entscheiden sollen. Lassen Sie sich beraten! Und auch noch im Alter auf Aktien setzen? „Wenn man es richtig macht, gehören Aktien in jedes Portfolio - unabhängig vom Alter”, sagt Kommer. Es verweist auf eine gängige Faustregel: 100 - oder auch 110 - minus Lebensalter ist gleich Aktienanteil. Demnach könnten 70-Jährige also noch etwa 30 % Aktien in ihrem Depot haben - vorausgesetzt sie können mit den Kursschwankungen leben. Wichtig dabei ist aus Sicht des Finanzexperten, dass das Investment breit gestreut wird, zum Beispiel in einen ETF auf den MSCI World Index, also rund 1.600 Einzelwerte. Das könnte mit einem Tagesgeld innerhalb der staatlichen Einlagensicherung kombiniert und dann ein Auszahlplan eingerichtet werden. „Zwischen der jährlichen Entnahmequote und der angenommenen durchschnittlichen Rendite sollte immer ein kleiner Puffer sein, damit das Depot nicht vor seinem Besitzer stirbt”, so Kommer.