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Thesaurierende oder ausschüttende Fonds: Ihre Vor- und Nachteile

Optionen für Fonds-Anleger

Für eine Geldanlage bieten sich viele Möglichkeiten. Sie können beispielsweise in klassische Fonds oder in ETFs investieren. Bei ETFs, also Exchange Traded Funds, handelt es sich um börsennotierte Fonds. Infos zu den Unterschieden zwischen aktiv gemanagten Fonds und passiv gemanagten ETFs gibt es im Artikel ETF oder Mischfonds..

Ob thesaurierende oder ausschüttende Fonds die bessere Wahl für Sie sind, hängt von mehreren Faktoren ab.

Thesaurierende oder ausschüttende Fonds - die Definition:

  • Ausschüttend: Bei diesen Fonds erhalten die Anteilseigner in der Regel einmal im Jahr die Erträge ausgeschüttet, etwa aus ETFs, Aktien- oder Immobilienfonds. Das können Zinsen, Dividenden oder Mieteinnahmen sein. Über die Erträge können Anteilseigner frei verfügen.
  • Thesaurierend: Das Wort kommt aus dem Griechischen und heißt so viel wie „Schatzkammer“. Anstelle einer Ausschüttung erfolgt eine Wiederanlage der Erträge in Fondsanteile. Das sorgt dafür, dass das Fondsvolumen auf Dauer stärker wachsen kann. Daher ist bei der Option „thesaurierend“ auch von Wachstumsfonds oder von akkumulierenden Fonds die Rede.

Teilausschüttende Fonds als weitere Möglichkeit der Geldanlage

Sie stehen vor der Frage, ob Sie sich für thesaurierende oder ausschüttende Fonds beziehungsweise ETFs entscheiden sollen? Sie können auch auf die teilausschüttende Variante setzen. Das bedeutet: zu einem Teil thesaurierend, also eine Wiederanlage der Erträge - zu einem anderen Teil Ausschüttung der Gewinne.

Thesaurierende oder ausschüttende Fonds - Das sollten Sie grundsätzlich bedenken

Sie möchten sich eine Art 13. oder 14. Monatsgehalt verschaffen? Dann eignen sich eher ausschüttende Fonds oder ETFs. Oder sind Sie in einer Ansparphase? Weil Sie zum Beispiel per Sparplan für ein langfristiges Ziel wie einen Vermögensaufbau oder für die Altersvorsorge investieren? Dann ist es oft sinnvoll, wenn Sie bei der Geldanlage auf thesaurierend setzen.

Thesaurierende oder ausschüttende Fonds - Vor- und Nachteile der Variante „ausschüttend“

Mit diesen Anteilsklassen können Anleger ein regelmäßiges Einkommen erwirtschaften, das ihnen frei zur Verfügung steht.

Pro ausschüttend:

  • Regelmäßige Erträge.
  • Sie haben es in der Hand, wie liquide Sie sind.
  • Sie sind in Sachen Geldanlage flexibel und investieren Erträge anderweitig.

Contra ausschüttend:         

  • Falls Sie die Erträge anderweitig investieren, fallen eventuell neben Gebühren noch Transaktionskosten an.
  • Wegen der Ausschüttung der Erträge ist bei den Fonds eine größere Wertsteigerung fraglich.

Thesaurierende oder ausschüttende Fonds - Vor- und Nachteile der Variante „thesaurierend“

Mit diesen Anteilsklassen setzen Anleger auf eine permanente Steigerung des Fondsvolumens.

Pro thesaurierend:  

  • Häufig keine Gebühren bei der Wiederanlage der Erträge in neue Fondsanteile.
  • Die Wiederanlage der Erträge erfolgt automatisch, Sie müssen sich bei der Option „thesaurierend“ nicht darum kümmern.
  • Durch Anstieg des Fondsvolumens kann es einen Wertzuwachs geben.
  • Durch die Wiederanlage der Zinsen gibt es einen Zinseszinseffekt.

Contra thesaurierend:        

  • Keine Ausschüttung der Erträge.
  • Über die Erträge können Sie nur bei Rückgabe oder Verkauf der Fondsanteile verfügen.
  • Umschichtungen des Vermögens sind bei der Variante „thesaurierend“ tendenziell schwierig.
  • Erhöhtes Verlustrisiko bei fallenden Kursen, da es bei allen Erlösen eine Wiederanlage gibt.

Thesaurierende oder ausschüttende Fonds - steuerliche Aspekte

Um in Sachen Steuern auf der richtigen Seite zu sein, fragen Sie am besten Ihren Steuerberater. Er kann Sie in Ihrem Fall über alle steuerlichen Vor- und Nachteile der jeweiligen Fonds beziehungsweise ETFs beraten.

Einige allgemeine Aspekte, die Sie dazu kennen sollten:

Thesaurierend und Steuer

Für thesaurierende ETFs gibt es die Besteuerung der sogenannten Vorabpauschale. Dabei handelt es sich um einen fiktiven Ertrag. Ermittelt wird er auf Basis des Fondsanteilswerts zu Jahresbeginn. 70 % dieses Werts ergeben multipliziert mit dem Basiszins der Deutschen Bundesbank zu Jahresbeginn den sogenannten ausschüttungsgleichen Ertrag. Davon werden fondstypabhängige Teilfreistellungen abgezogen. Auf den Rest fallen Abgeltungssteuer und gegebenenfalls Kirchensteuer an.

Achtung: Ein Single erhält einen Freibetrag für die Abgeltungssteuer von 801 Euro pro Jahr, Zusammenveranlagte bekommen 1.602 Euro pro Jahr. Denken Sie daran, Ihrer Depotbank einen Freistellungsauftrag zu erteilen.

Eine weitere Besteuerung bei thesaurierend erfolgt am Ende der Haltedauer, weil der Wertzuwachs über die fiktiven Erträge hinaus steuerpflichtig ist.

Ausschüttend und Steuer

Ausschüttungen sind nach Abzug von Teilfreistellungen steuerpflichtig. Auch Wertsteigerungen der Fondsanteile unterliegen einer steuerlichen Vorabpauschale - aber nur, wenn die voraussichtliche Wertsteigerung höher ist als die Ausschüttung. Kein Steuerabzug erfolgt, falls die zu versteuernden Ausschüttungen vom Freistellungsbetrag (801 Euro Single/1.602 Euro Zusammenveranlagte) gedeckt sind.

Möchten Sie mehr zum Thema thesaurierende oder ausschüttende Fonds wissen? Oder zu Kosten und Aufbau von ETFs? Weitere Informationen finden Sie zum Beispiel in unserem Beitrag über die Entstehung von ETFs.

Autor: ING