Klumpenrisiko: So umgehen Sie es
„Lege nicht alle Eier in einen Korb“, so lautet eine preisgekrönte Börsenweisheit. Bereits in den 1950er-Jahren wies US-Ökonom Harry M. Markowitz mit seiner Portfoliotheorie nach, dass eine breite Streuung das Risiko eines Depots senken kann. Dafür erhielt er Jahrzehnte später den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften. Trotz dieser Erkenntnis konzentrieren viele Anlegerinnen und Anleger ihr Vermögen zu stark auf einzelne Anlagen. Das kann weitreichende Folgen haben.
Was ist ein Klumpenrisiko?
Ein Klumpenrisiko (Englisch: Cluster Risk) entsteht, wenn sich das Vermögen zu stark in einer bestimmten Anlageklasse (z. B. Aktien, Anleihen, Immobilien), Anlageregion (z. B. USA) oder Wirtschaftsbranche (z. B. Technologie, KI) konzentriert. Wer sich beispielsweise nur auf die Aktien eines bestimmten Unternehmens beschränkt, macht seine Anlage vollständig von dessen wirtschaftlichem Erfolg abhängig. Im schlimmsten Fall bedeutet das: Wird die Firma insolvent, droht der Verlust des investierten Geldes.
Ein Klumpenrisiko kann sich aber auch innerhalb eines Fonds bilden: Wer zum Beispiel nur in einen Fonds mit Automobiltiteln investiert, statt in einen Fonds mit Aktien aus unterschiedlichen Branchen, geht ein großes Branchen-Risiko ein. Das heißt: Schwächelt die Automobilindustrie, können etwaige Verluste nicht durch Gewinne in den anderen Branchen ausgeglichen werden.
Ein weiteres Beispiel für ein Klumpenrisiko können Immobilien sein. Da Immobilien häufig einen hohen Anteil am Gesamtvermögen ausmachen, kann eine starke Konzentration auf diese Anlageform entstehen. Weitere Investitionen wie z. B. in einen Immobilienfonds können die Konzentration im Bereich Immobilien und damit das Klumpenrisiko erhöhen.
Geldanlage möglichst diversifizieren
Eine Möglichkeit zur Reduzierung von Klumpenrisiken kann eine breite Streuung über verschiedene Anlageklassen sein, etwa über Wertpapiere (z. B. Aktien, Anleihen) und liquide Anlageformen (z. B. Tagesgeld). Denn eine breite Streuung über Anlagen, die sich möglichst unterschiedlich entwickeln, kann dazu beitragen, Schwankungen im Depot zu reduzieren. So kann die schwächere Entwicklung einer Anlageklasse durch eine möglicherweise bessere Entwicklung anderer Anlageklassen teilweise abgefedert werden. Ein vollständiger Ausgleich oder eine positive Gesamtentwicklung ist jedoch nicht garantiert. Verluste bleiben dennoch möglich.
Breite Streuung kann Risiko reduzieren
Auch innerhalb der einzelnen Anlageklassen kann es sinnvoll sein, möglichst breit zu streuen, um Einzelrisiken zu reduzieren. Ein Beispiel hierfür sind Investmentfonds, die in eine Vielzahl von Aktien aus unterschiedlichen Branchen und Regionen investieren. Ein anderes Beispiel sind sogenannte Mischfonds, die Wertpapiere aus mehreren Anlageklassen (z. B. Aktien und Anleihen), Branchen oder Regionen enthalten.
Fachleute verweisen häufig darauf, dass eine weltweite Streuung innerhalb der Anlageklasse Aktien helfen kann, regionale Klumpenrisiken zu reduzieren. Denn wenn etwa die deutsche Wirtschaft schwächelt, muss das nicht automatisch für die indische Wirtschaft zutreffen. Eine größere Zahl unterschiedlicher Werte aus verschiedenen Regionen kann also die Abhängigkeit von einzelnen Titeln und Ländern reduzieren. Kursschwankungen und Verluste bleiben dennoch möglich.
Zu einer solchen globalen Strategie raten Experten auch bei der Anlage in ETFs, mit denen Anlegerinnen und Anleger unter anderem auf weltweit investierende Aktienindizes setzen können. Wertpapier-Sparpläne ermöglichen die Umsetzung bereits mit kleinen Beträgen.
Versteckte Klumpenrisiken erkennen
Doch selbst bei einem weltweit investierenden Aktienindex wie z. B. dem MSCI World Index lässt sich ein Klumpenrisiko nicht völlig umgehen. So kommen US-Aktien im MSCI World auf ein Gewicht von rund 73 %. Zudem haben Aktien aus der IT-Branche ein Gewicht von rund 32 % im Index (Quelle: MSCI, Stand: 30.09.2026). Diese Konzentration muss kein Nachteil sein. Zeigen US-Aktien und Titel aus dem IT-Sektor eine gute Performance, kann sich dies entsprechend positiv auf die Performance des Index auswirken. Kommt es allerdings zu einer Korrektur, von der gerade US-Aktien oder der IT-Sektor besonders stark betroffen sind, könnte sich dies negativ auf die Performance des Index auswirken. Auch solche „versteckte“ Klumpenrisiken gilt es also im Blick zu haben.
Vermögensstruktur regelmäßig überprüfen
Grundsätzlich ist es wichtig, sich vor jeder Investition genau über die Anlageprodukte, deren Anlagestrategie und Risikostreuung zu informieren. So können etwaige Klumpenrisiken frühzeitig erkannt werden. Welche Aufteilung der Anlageprodukte im Depot passend ist, hängt u. a. vom individuellen Anlageziel, der Risikobereitschaft und dem Anlagehorizont ab.
Aktien unterliegen beispielsweise Kursschwankungen und Verlustrisiken. Je nach persönlicher Risikobereitschaft und Situation können daher im Depot auch Liquiditätsbausteine wie Tagesgeld eine Rolle spielen, insbesondere wenn kurzfristig Geld benötigt wird.
Tipp: Um Klumpenrisiken frühzeitig zu erkennen, hilft ein regelmäßiger Blick auf die Zusammensetzung des eigenen Vermögens.