Umzug aufs Land: Arbeit und Familienleben im grünen Bereich?

Was neben der geeigneten Immobilie sonst noch wichtig ist

Herrliche Landschaft, viel Ruhe, dazu mehr Platz zum Wohnen und Arbeiten für deutlich weniger Geld. Außerdem ein großer Garten, in dem nicht nur Bäume und Blumen gedeihen, sondern auch Obst und Gemüse selbst angebaut werden können. So oder so ähnlich sehen die Träume vieler Menschen aus, die sich aus der Großstadt hinaus aufs Land sehnen. Und immer mehr von ihnen verwirklichen sich diesen Wunschtraum – in manch entlegenen Regionen werden Baugrund und Immobilien bereits knapp. Denn gerade während der Corona-Pandemie verbringen viele die meiste Zeit daheim und befassen sich so intensiv wie wohl nie zuvor mit ihrer Wohnsituation.

Corona-Studie: Landbewohner*innen leben glücklicher

Dass Größe und Lage einer Immobilie die Zufriedenheit ihrer Bewohner*innen am stärksten beeinflussen, hat auch eine Studie der Interhyp Gruppe (München) in Zusammenarbeit mit dem Kölner Marktforschungsinstitut Rheingold unterstrichen. Sprich: Wer ausreichend Platz hat, ist entspannter und ausgeglichener. So erklärten 40 % aller befragten Landbewohner*innen, dass sie mit der Lage und Größe ihrer Immobilie glücklich seien. Und mehr als drei Viertel (84 %) der Hausbewohner*innen gaben an, sich durch Corona noch mehr über die eigene Wohnsituation zu freuen – gegenüber 35 % der Stadtbewohner*innen bzw. 69 % der Mieter*innen und Wohnungsbewohner*innen.

„Es scheint, als hält ein gutes Wohnumfeld Corona auf Distanz“, resümiert Jörg Utecht, Vorstandsvorsitzender der Interhyp. Von den befragten Immobilienbesitzer*innen fühlten sich 30 % durch die Pandemie mit ihrem Wohnobjekt noch glücklicher als zuvor. Mieter*innen in Großstädten mit kleinen Wohnungen hätten in den zweistündigen Studien-Interviews dagegen häufig angespannt gewirkt und offen Frust über ihre

Situation geäußert.

Erst einmal wichtige Fragen für sich klären

Dennoch ist Vorsicht angebracht – ein Umzug aufs Land muss nicht in jedem Fall die Lösung aller Probleme sein. Um die Entscheidung nicht früher oder später zu bereuen, sollten Interessierte zuerst wesentliche Fragen für sich klären. Diese Checkliste kann dabei helfen:

  • Ich kann im Home-Office arbeiten – doch passt der Umzug auch zur beruflichen Situation meines Partners/meiner Partnerin?
  • Wie sieht es mit Karriere-Chancen aus, wenn ich mir einen Arbeitgeber auf dem Land suche?
  • Fehlt mir im Homeoffice auf dem Land nicht der persönlich Austausch mit den Kolleg*innen?
  • Verliere ich zu viele aus meinem Freundeskreis in der Stadt?
  • Falls gependelt werden muss: Geht das gut mit dem eigenen Wagen oder gibt es eine entsprechende Bahnverbindung?
  • Wie sieht es mit dem öffentlichen Nahverkehr vor Ort aus? Brauche ich Führerschein und Auto?
  • Suche ich gleich ein Haus oder miete ich erst einmal „zur Probe“ eine Wohnung?
  • Sind geeignete Kitas und Schulen für den Nachwuchs vorhanden?
  • Wie steht es um die medizinische Versorgung – Fachärzte und Krankenhäuser?
  • Kann ich meinen Hobbies auch auf dem Land nachgehen – oder muss ich etwa für Konzert- und Theaterbesuche immer in die Stadt fahren?
  • Kann ich mich gut in eine ländliche Gemeinschaft einfügen? Oder stört es mich bereits, wenn früh am Morgen der Hahn kräht oder laut knatternd der Traktor anspringt?

Auch in der Region gibt es gute Jobs

Dass diejenigen, die aufs Land ziehen, auch ohne Arbeit im Homeoffice auf das berufsbedingte Pendeln in die Stadt oft ganz verzichten können, betont Kerstin Kuechler-Kakoschke, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Lüneburg-Uelzen (Niedersachsen). „Auch im ländlichen Bereich gibt es einen hohen Fachkräftebedarf“, sagt Kuechler-Kakoschke. Kleine und mittelständische Unternehmen hätten sogar häufig Probleme, offene Stellen zu besetzen. Die Nachfrage sei vielfältig – nicht nur im Bereich Pflege, sondern auch bei Spezialisten vieler anderer Sparten. Schließlich hätten nicht wenige Top-Firmen ihren Sitz auf dem Land.

Einen Nachteil gibt es dabei allerdings: Die Möglichkeiten, seinen Arbeitgeber zu wechseln, sind auf dem Land begrenzt. Kuechler-Kakoschke nennt ein Beispiel aus der weiteren Metropolregion Hamburg: Jemand, der etwa in einem Landkreis wie Lüchow-Dannenberg lebt, sich dort beruflich wie privat wohl fühlt und bei einem Unternehmen eine gehobene Führungsposition hat, „wird den Posten zumeist sehr lange haben“. Denn derart viel berufliche Perspektiven und Wechselmöglichkeiten wie in Großstädten existieren dort nicht.

Karriere macht man besser ohne Homeoffice

Auf einen weiteren grundlegenden Aspekt weist der Hamburger Karriere-Coach Volker Klärchen hin. „Arbeiten im Homeoffice hat seine Grenzen“, sagt Klärchen. Je höher eine Person in der Hierarchie einer Firma stehe, desto häufiger müsse diese dort persönlich präsent sein. Womöglich sogar jeden Tag. „Und auch wer die Karriereleiter erst noch nach oben klettern will, sollte vom Homeoffice möglichst ganz absehen“, rät der Coach.

Beschäftigte, die ein fest definiertes Projekt leiten oder sich auf bestimmte Gebiete spezialisiert haben, könnten dagegen aus seiner Sicht gut von zuhause aus arbeiten – bei gutem Netzausbau und entsprechender technischer Ausstattung. Sie sollten aber unbedingt darauf achten, mit ihren unmittelbaren Kolleg*innen in Kontakt zu bleiben. Vielleicht laden sie diese ja mal zu sich ein – zu einem Ausflug aufs Land.

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