Nachhaltig reisen – darauf sollten Sie achten

6 Fragen, die Sie sich vor der Urlaubsplanung stellen sollten

61% der Deutschen sagen, ihr Urlaub soll möglichst sozial verträglich, ressourcenschonend und/oder umweltfreundlich sein. Auch im internationalen Vergleich liegt Deutschland auf dem ersten Platz mit den meisten umweltbewussten Reisenden, gefolgt von Frankreich und den Vereinigten Staaten. Doch was bedeutet nachhaltiges Reisen? Ganz auf Urlaub zu verzichten? Sicher nicht. Vielmehr geht es eher darum, bewusster zu reisen. Das ist gar nicht so schwer und in der Regel auch nicht mit mehr Kosten verbunden. Wir geben Tipps, wie Sie bei Ihrem nächsten Ausflug, verlängerten Wochenende oder Ihrem Urlaub auf Ihren CO2-Abdruck achten können.

1. Muss ich auf das Fliegen verzichten?

Ein Hin- und Rückflug von Berlin nach Mallorca hat eine Klimawirkung von 722 kg CO2 pro Person. Das entspricht der Menge an Emissionen, die wir verursachen, wenn wir ein halbes Jahr lang Auto fahren. Wer nicht auf das Fliegen verzichten möchte, kann die Klimawirkung ausgleichen oder reduzieren: Sie können Ihren Flug über einen Beitrag für ein Klimaschutzprojekt kompensieren – viele Fluggesellschaften bieten das schon an. Buchen Sie außerdem wenn möglich Direktflüge. Denn ein Großteil der Emissionen wird während des Starts und der Landung freigesetzt. So spielen auch die Anzahl der Zwischenlandungen bei der Umweltbelastung eine Rolle. Direktflüge sind zwar meist etwas teurer, für die Umwelt aber um einiges besser.

2. Worauf bei einer Kreuzfahrt achten?

Laut Deutschem Naturschutzbund (NABU) hinterlässt eine Kreuzfahrt einen 36-mal größeren ökologischen Fußabdruck als eine Urlaubsreise mit der Bahn und einen 3-mal größeren Abdruck als eine Flugreise – ohne An- und Abreise der Urlauber. Unser Tipp: Erkundigen Sie sich beim Anbieter, welche Maßnahmen bereits zur Nachhaltigkeit unternommen werden. Einige Reedereien setzen mittlerweile auf umweltfreundliche Innovationen, um ihre Kreuzfahrten nachhaltiger zu machen. Dazu gehört vor allem der Antrieb von Kreuzfahrtschiffen durch LNG-Betrieb, also die Nutzung von Flüssigerdgas statt Schweröl. Nicht nur die neuesten Schiffe vieler Reedereien stellen immer mehr auf Flüssigerdgas-Betrieb, Landstrom oder so genannte Scrubber, Abgaswäscher, die die Schiffsabgase mit Wasser oder Trockengranulat reinigen, um. Je nach System und verwendetem Treibstoff kann der Schwefeloxidausstoß damit um 70 bis 95% gesenkt werden. Auch Stickoxid- und Feinstaubemissionen werden auf einen deutlich geringeren Anteil gemindert. Erkundigen Sie sich, wie umweltbewusst Ihr Kreuzfahrtanbieter ist. Das kostet nichts und Sie können Ihre Kreuzfahrt vielleicht noch mehr genießen.

Wie nachhaltig ist Urlaub im eigenen Land?

Seit der Corona-Pandemie liegt Urlaub im eigenen Land noch mehr im Trend. Die Reise in ein nahe gelegenes Urlaubsziel spart Zeit und schont die Umwelt. Unser Tipp: Bei Reisen unter 700 km bestenfalls auf umweltschonendere Verkehrsmittel setzen. Zum Beispiel bietet sich eine klimaschonende Anreise mit der Bahn oder vielleicht sogar mit dem Fahrrad oder E-Bike an. Vor Ort kann man die Umgebung auch umweltfreundlich erkunden, entweder mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln statt mit einem Mietwagen. Das spart auch Kosten. Das gilt auch für den Urlaub im Ausland. Beim Einkauf vor Ort  Plastik vermeiden und regionale Produkte wählen und verantwortungsvoll mit dem eigenen Müll umgehen.

3. Auf was kann ich beim Packen achten?

Je mehr Gewicht Ihr Gepäck hat, desto mehr Benzin und Energie wird verbraucht und somit CO2 produziert. Das gilt sowohl für Autoreisen, Schifffahrten und Flüge. Unser Tipp: Weniger ist mehr. Für die Körperpflege gibt es mittlerweile eine große Auswahl an plastikfreien Waschstücken zum Duschen oder Haarewaschen. Beim Sonnenschutz sorgt eine Bio-Variante dafür, dass Mikroplastik und Chemikalien weder dem Wasser noch dessen Lebewesen schaden. Packen Sie doch zum Shoppen vor Ort einen Baumwollbeutel ein, der nicht viel Platz im Gepäck wegnimmt. Für Backpacker bietet es sich außerdem an, eine Trinkflasche einzupacken, die man immer wieder auffüllen kann, und bei Bedarf eine Edelstahl-Thermobox und Besteck für gekauftes oder selbst gekochtes Essen.

4. All-inclusive oder Individualreisen – spielt das eine Rolle?

Ob Pauschalreise oder Individualreise, wie nachhaltig Ihr Urlaub ist, hängt davon ab, was Sie daraus machen. Nachhaltiges Reisen hat nämlich nicht nur eine ökologische, sondern auch eine soziale Komponente. Viele Länder sind stark vom Tourismus abhängig. Wer bei seinem Urlaub die Bevölkerung besonders unterstützen möchte, sollte lokal einkaufen und essen. Saisonale, regionale und ökologisch produzierte Lebensmittel stärken nicht nur die Wirtschaft vor Ort, sondern bringen den Reisenden die lokale Esskultur näher. Gerade auf lokalen Märkten, Garküchen oder Straßenständen findet man z.B. nachhaltiges und authentisches Essen und andere Produkte. Das ist bei All-inclusive-Angeboten weniger der Fall. Die Vorbereitung einer auf Nachhaltigkeit fokussierten, selbst geplanten Reise kostet vielleicht etwas mehr Zeit, kann aber auch abwechslungsreicher als ein All-inclusive-Urlaub sein. Das Portal www.greensign.de kann bei der Suche nach nachhaltigen Hotels weltweit eine Hilfe sein.

5. Gibt es Nachhaltigkeitssiegel für den Tourismus?

Es gibt noch kein allgemeingültiges Nachhaltigkeitssiegel für die Tourismusbranche. Es ist also nicht einfach für den Verbraucher, sich auch beim Reisen im Nachhaltigkeitsdschungel zurechtzufinden. Orientierung finden Sie hier:

  • Auf der Website Fairunterwegs können Sie sich einen Wegweiser herunterladen, der verschiedene Gütesiegel und ihre Kriterien vorstellt.
  • Auf dem unabhängigen Portal Destinet.eu finden Sie neben allen Labels und Standards weltweit auch Tausende Tourismusbetriebe, Destinationen und Reiseunternehmen, die mit einem Nachhaltigkeitssiegel ausgezeichnet sind.
  • Die kostenlose App „Travel Green Europe“ unterstützt Sie bei Ihrer nachhaltigen Reiseplanung mit einer Übersicht von nachhaltigen Anbietern in verschiedenen Ländern.

6. Was kann ich vor Ort tun?

Die Antwort ist recht einfach – am besten tun Sie das Gleiche wie zu Hause: Das Fahrrad oder den ÖPNV nutzen. Möglichst Strom und Wasser sparen. Darauf achten, dass das Licht nicht unnötig brennt oder die Klimaanlage läuft. Handtücher können mehrmals benutzt werden. Vermeiden Sie beim Einkauf vor Ort Plastik und wählen Sie regionale Produkte. Und gehen Sie auch im Urlaub verantwortungsvoll mit Müll um.

Was Tiere und Pflanzen betrifft, ist es empfehlenswert, sich vorher über deren Verbreitung und Schutz zu informieren. So können Sie sicher sein, dass Sie nichts falsch machen. Veranstaltungen wie Tiershows sollten vermieden werden, da sie oft Tierquälerei sind. Achten Sie auch beim Souvenirkauf auf gefährdete Tier- und Pflanzenarten.

Nachhaltiger Tourismus: Jeder kann dazu beitragen

Laut einer Definition der Umweltdatenbank bedeutet „nachhaltiger Tourismus“, wenn er „einen Umgang mit allen Ressourcen in einer Art und Weise ermöglicht, dass ökonomische, soziale und ästhetische Bedürfnisse erfüllt werden können und gleichzeitig die kulturelle Integrität, essentielle ökologische Vorgänge und die Biodiversität erhalten bleiben“. Forscher der Universität von Sydney haben errechnet, dass der globale Tourismus für 8% der gesamten CO2-Emissionen der Menschheit verantwortlich ist. Wenn wir alle nur ein paar dieser Tipps befolgen, kann das besser werden.

Sie wollen wissen, was die ING für mehr Nachhaltigkeit macht? Hier finden Sie einen Überblick.