Rentenbescheid verstehen

Was wissen Sie über Ihre Renteninformation?

Wissen Sie eigentlich, wie sich Ihre Rente berechnet und welchen Anspruch Sie bereits erworben haben? In unserer Serie „Dokumente verstehen“ erklären wir Ihnen Abkürzungen, Fachbegriffe und Hintergrundwissen zu wichtigen Unterlagen – dieses Mal zum Thema „Renteninformation“.

Wie hoch wird eigentlich eines Tages meine gesetzliche Rente sein? Das ist eine Frage, die viele bewegt. Auskunft hierüber gibt die Renteninformation. Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) verschickt sie automatisch einmal pro Jahr an alle Versicherten, die mindestens 27 Jahre alt sind und fünf Jahre Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben. Doch wie berechnet sich die Rente und was passiert, wenn ich nicht bis zu Rente arbeiten kann? Auch diese Fragen beantwortet die Renteninformation.

Tipp: Renteninformation genau prüfen! Mit der ersten Renteninformation erhalten Versicherte auch einen Versicherungsverlauf. Wichtig ist, die darin gespeicherten Zeiten und Verdienste genauestens auf Vollständigkeit zu prüfen – und sich bei unvollständigen Einträgen bei der DRV zu melden. Andernfalls verschenken Rentenversicherte wertvolle Ansprüche.

A: Der Ansparzeitraum für die Rente

Schauen wir uns die Renteninformation von Max Mustermann genauer an: Links oben steht die individuelle Versicherungsnummer von Max, die sich aus dem individuellen Geburtsdatum ergibt. Max‘ Rentenkonto bei der gesetzlichen Rentenversicherung läuft seit dem 1. September 1987 – das ergibt sich aus dem ersten Satz nach der Anrede. Die Renteninformation setzt Max davon in Kenntnis, wie sich seine Rentenansprüche bis zum 31. Dezember 2017 entwickelt haben. Dabei wurde das geltende Rentenrecht zugrunde gelegt. Ändert sich dieses, wird es bei den ausgewiesenen Werten in der nächsten Renteninformation berücksichtigt.

B: Reguläres Renteneintrittsalter

Eine Regelaltersrente, also die reguläre Rente der gesetzlichen Rentenversicherung, würde Max ab dem 1. Juli 2038 erhalten. Dann wäre Max 67 Jahre alt. Die gesetzliche Rentenversicherung zahlt Max aber nicht nur im Alter eine Rente, sondern auch dann, wenn er aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit voll erwerbsgemindert wäre.

C: Rente bei voller Erwerbsminderung

Würde Max ab jetzt nicht mehr arbeiten können, bekäme er aktuell eine monatliche Rente von 1.752,74 Euro brutto. Von diesem Betrag muss Max noch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sowie gegebenenfalls Steuern zahlen. (Genauere Erklärungen erfolgen zusätzlich auf Seite 2 der Renteninformation.)

D und E: Die künftige Regelaltersrente

Die für Max errechnete Rente in Höhe von 2.334,21 Euro kann allerdings noch höher ausfallen – nämlich durch Rentenanpassungen. Diese richtet sich grundsätzlich nach der Lohnentwicklung. Die genaue Höhe der künftigen Rentenanpassungen kann nicht vorausgesagt werden, weshalb Experten der gesetzlichen Rentenversicherung zwei mögliche Varianten errechnen. Entweder mit einem jährlichen Anpassungssatz von einem oder von zwei Prozent.

G: Unbedingt zusätzlich fürs Alter vorsorgen

Die gesetzliche Rente allein wird nicht reichen, um als Rentner finanziell gut durch den Lebensabend zu kommen. Der Grund: Die Renten werden künftig im Vergleich zu den Löhnen geringer steigen. Daher ist eine zusätzliche Absicherung fürs Alter wichtig.

H: Die Rente berechnet sich auf Grundlage der Entgeltpunkte

Wer ein Jahr lang genauso viel wie der Durchschnitt aller Rentenversicherten verdient, bekommt einen Entgeltpunkt. 2021 beträgt das vorläufige Durchschnittsentgelt aller Versicherten 41.541 Euro (Hinweis: Im Dokument ist dieser Wert noch mit 37.873 Euro angegeben). Fällt der Verdienst höher oder geringer aus, gibt es entsprechend mehr oder weniger Entgeltpunkte.

Daneben können einem Versicherten aber auch Entgeltpunkte für bestimmte Zeiten, in denen keine Beiträge gezahlt wurden, gutgeschrieben werden. Das passiert etwa im Fall einer Fachschulausbildung. Wurden Beiträge vom Staat, von der Agentur für Arbeit oder von der Krankenhasse für einen Versicherten gezahlt – zum Beispiel für Wehr- oder Zivildienst, für Kindererziehung, Arbeitslosigkeit oder Krankheit – gibt es ebenfalls gutgeschriebene Entgeltpunkte.

I: Entgeltpunkte mit aktuellem Rentenwert multiplizieren

Alle Entgeltpunkte werden zusammengezählt und mit dem aktuellen Rentenwert multipliziert. Der aktuelle Rentenwert beträgt derzeit 34,19 Euro in den alten und 33,23 Euro in den neuen Bundesländern (Hinweis: Im Dokument angeben, sind noch die veralteten Werte in Höhe von 31,03 Euro in den alten sowie 29,69 Euro in den neuen Bundesländern).

J-L: Höhe der Beiträge für Rentenberechnung ausschlaggebend

Die Höhe der Rente hängt jedoch vor allem von der Höhe der Beiträge ab, die für einen Versicherten in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt werden. Der Arbeitnehmer zahlt zu etwa gleichen Teilen wie der Arbeitgeber in die gesetzliche Rentenversicherung ein – im Falle von Max sind das 109.754,43 Euro (H) sowie 111.340,25 Euro (I). Zusätzlich tauchen hier auch die Beiträge weiterer Stellen auf – zum Beispiel der Agentur für Arbeit, die in Max‘ Beispiel 2.342,46 Euro (J) betragen.

M: Individuelle Entgeltpunkte stellen Basis für Rentenhöhe

Die beitragspflichtigen Jahresverdienste rechnen Experten der Rentenversicherung dann in Entgeltpunkte um. Max hat nach dieser Rechnung 38,9200 Entgeltpunkte erworben. Dieser Wert stellt nun die Rechenbasis für die Rentenhöhen, wie sie auch auf Seite 1 angegeben sind.

N: Auswirkungen von Kaufkraft und Inflation auf Rentenhöhe

Die Berechnung der prognostizierten Rente erfolgt jedoch ohne Berücksichtigung des Kaufkraftverlustes. Als Kaufkraft gilt das in privaten Haushalten für Konsumzwecke verfügbare Einkommen. Dabei handelt es sich um den Betrag, der vom Einkommen verbleibt, nachdem alle Zahlungsverpflichtungen wie etwa für Versicherungen, Mieten oder Kreditraten erfüllt wurden. Bei steigender Inflation und geringer Lohnentwicklung nimmt die Kaufkraft ab – auch das ist ein Grund, weshalb es im Alter mit der Rente eng werden kann.

Autor: ING