Gold: Eine glänzende Investmentidee?

Das sollten Sie wissen! | 05.03.2020

Rezession vor der Tür?

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Gold ist derzeit wieder in aller Munde. Ablesen lässt sich dies nicht nur an den Titelblättern diverser Anlegermagazine, sondern vor allem am Goldpreis, der – in Euro berechnet – im Februar 2020 ein neues Allzeithoch jenseits der Marke von 1.500 Euro je Feinunze markierte. Damit setzte sich die positive Kursentwicklung des Vorjahres Anfang 2020 fort. Im Jahr 2019 verbuchte der Goldpreis in Euro einen Wertzuwachs von mehr als 20 %. In US-Dollar, seiner grundlegenden Notierung, verzeichnete der Goldpreis 2019 einen Kursanstieg von mehr als 18 %.

Wertstabil? Das kommt darauf an.

Um nicht blindlings einem neuen Goldrausch zu verfallen, ist es ratsam, die Argumente für und gegen ein Investment in Gold abzuwägen. Allein aus der positiven Kursentwicklung der jüngeren Vergangenheit sollte nicht auf die künftige Entwicklung geschlossen werden. Schließlich zeigt der Blick in die Historie: Der Goldpreis kann auch über einen längeren Zeitraum sinken. So kostete die Feinunze im September 2011 mehr als 1.920 US-Dollar. In den folgenden Jahren verlor der Goldpreis jedoch deutlich an Wert und notierte Ende 2015 nur noch knapp über 1.000 US-Dollar. Im Februar 2020 notierte der Preis für eine Feinunze wieder über der Marke von 1.600 US-Dollar. Dieses Beispiel belegt, dass Gold seinem Ruf als sicherer Hafen nur bedingt gerecht wird.

Gründe, um den sicheren Hafen aufzusuchen, gab es zuletzt einige. Zu nennen sind hier beispielsweise der sich im ersten Halbjahr 2019 zuspitzende Handelsstreit zwischen den USA und China, die lange währende Sorge vor einem harten Brexit sowie mit Beginn dieses Jahres die Unsicherheit hinsichtlich der wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus. Doch trotz dieser Belastungsfaktoren zeigten die Aktienmärkte eine gute Entwicklung, sodass die Frage berechtigt ist, ob eine verstärkte Anlage in Gold sinnvoll ist. Dies umso mehr, da die aufgezeigten Kursschwankungen des Goldpreises auch zu einem Wertverlust führen können. Die umgangssprachliche Sicherheit hängt somit stark vom Investitionszeitpunkt und der Anlagedauer ab.

Darüber hinaus wirft Gold keine sonstigen Erträge wie etwa Zinsen ab. Dieses Argument verliert im derzeitigen von niedrigen Zinsen geprägten Umfeld allerdings an Bedeutung. Und so schnell dürfte sich am Zinsumfeld auch nichts ändern. Die Fed senkte den Leitzins für die USA 2019 dreimal und könnte 2020 zu weiteren Zinssenkungen greifen, wenn sich die US-Konjunktur, z. B. im Zuge der Auswirkungen des Coronavirus, schwächer entwickelt. Der Leitzins für die Eurozone liegt seit März 2016 bei 0,0 %. Angesicht einer nur moderaten Konjunktur und der noch immer hohen Verschuldung der südlichen Mitglieder der Eurozone bleibt der EZB auf absehbare Zeit wenig Spielraum für Zinserhöhungen.

Gold zur Diversifikation

Ein Argument, das für Gold spricht, ist der Diversifikationsgedanke. In der Historie entwickelten sich Gold und andere Anlageklassen wie z. B. Aktien über längere Zeiträume unabhängig voneinander, teilweise auch gegensätzlich zueinander. Ein etwaiger Verlust in einer Anlageklasse kann somit durch eine stabile oder positive Wertentwicklung bei Gold verringert oder teilweise kompensiert werden.

Den Diversifikationsgedanken verfolgen auch zahlreiche Zentralbanken der Emerging Markets, allen voran in Russland, Polen, der Türkei und China. Sie kaufen Gold, um ihre Bestände an US-Dollar zu reduzieren und ihre Anlagen breiter aufzustellen. Im vergangenen Jahr waren die Zentralbanken einmal mehr sehr aktive Goldkäufer. Den Angaben des World Gold Council (WGC) zufolge lagen die Nettokäufe mit 650,3 Tonnen nur knapp unter dem Rekordniveau des Vorjahres (2018: 656,2 Tonnen). Damit war 2019 das zehnte Jahr in Folge, in denen Zentralbanken und andere Institutionen als Nettokäufer am Markt auftraten.

Bei Investoren war Gold 2019 ebenfalls stark gefragt, wenngleich in unterschiedlicher Ausprägung. So zeigen die Daten des WGC einen Rückgang der Investments in Barren und Münzen um 20 % gegenüber 2018. Offensichtlich nutzen Anleger die hohen Preise, um Bestände zu verkaufen bzw. hielten sich mit Neuanschaffungen zurück. Dagegen erhöhten sich die Bestände von mit physischem Gold besicherten ETFs und ähnlichen Produkten 2019 um 401,1 Tonnen (2018: 76,2 Tonnen) und lagen Ende des Jahres bei 2.885,5 Tonnen. Der WGC führt die starke Nachfrage vor allem auf Investoren zurück, die mit den Produkten auf eine Fortsetzung des Preisanstiegs setzen wollen.

Kosten im Blick behalten

Grundsätzlich gibt es verschiedene Wege, um in Gold zu investieren. Neben börsengehandelten Anlageprodukten ist auch der Erwerb von physischem Gold möglich. Hierbei gilt es zu beachten, dass bei der Prägung von Barren und Münzen fixe Kosten anfallen. Der daraus resultierende Aufschlag gegenüber dem Marktpreis fällt bei kleinen Stückelungen höher aus, als bei größeren Stückelungen. Darüber hinaus entstehen bei physischem Gold gegebenenfalls weitere Kosten, beispielsweise für die sichere Verwahrung in einem Bankschließfach.

Fazit: Gold sollte vor allem als Mittel zur Diversifikation des Vermögens betrachtet werden. Einen langfristigen Anlagehorizont vorausgesetzt, kann es zur Stabilisierung des Depots beitragen.

Autor: ING-DiBa AG


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Kommentare (8)


Kommentare

Robert

11.04.2020

Nichts Neues , einer wiederholt was schon andere 100X geschrieben haben.


D. C. Albrecht

10.04.2020

Ist es nicht so, dass beim Verkauf von Barren Steuer fällig wird, beim Verkauf von aktuell gültigen Münzen (Krügerrand, Maple Leaf) jedoch nicht?
Es kann sein, dass die Bank bei Gebrauchsspuren an Goldmünzen weniger zahlt als für nagelneu aussehende Münzen.
Welche Rolle spielt der Feinheitsgrad des Goldes?


Redlich

06.03.2020

Neben den Kosten für die Münzprägung ist auch auf der anderen Seite ein gewisser Sammlerwert nicht zu vernachlässigen; dürfte bei Barren keine nennenswerte Rolle spielen.


ING

06.03.2020

Hallo ING Kunde, bei dem Wertpapier Xetra-Gold werden erhöhte Lagerungskosten in Rechnung gestellt. Um diese pauschale Belastung auszugleichen, müssten wir wiederum Depotgebühren einführen. Wir möchten Ihnen jedoch auch zukünftig das Direkt-Depot mit kostenloser Depotführung und ohne die Weitergabe von Fremdgebühren anbieten. Daher haben wir uns entschieden, den Kauf von Xetra-Gold nicht anzubieten. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Werner Schörner

06.03.2020

Welche mit physischem Gold hinterlegten ETF`s kann man über die Diba kaufen?


Rettinger Peter

06.03.2020

Silber sollte man nicht vergessen..... ev. Lagerung im Zollfreilager......


ING Kunde

06.03.2020

Warum ist bei Ihnen der Erwerb von Xetra Gold nicht möglich?


Shangri-La

04.03.2020

So schwer wie es an Gold zu kommen ist ist es auch den 'richtigen' Zeitpunkt zu finden sich davon zu trennen. Vorteil der Erblasser kann Geldentwicklung im 'Füllhorn ausschütten' von dem der Erbe (.-in) langfristig steuerfrei etwas haben kann