Die Krankenkasse wechseln

Was dafür spricht und wie es funktioniert │01.08.2019

Krankenkassenwechsel

Der Wechsel zu einer günstigeren gesetzlichen Krankenkasse ist unkomplizierter als viele denken. Aber wann lohnt es sich überhaupt?
 
Sie sind Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse? Sie müssen dort nicht für den Rest Ihres Lebens bleiben. Mit einem Wechsel können Sie Geld sparen und ein breiteres Angebot an Zusatzleistungen nutzen. Weitestgehend bieten alle gesetzlichen Krankenkassen das Gleiche: Sie zahlen die Krankheitskosten eines Versicherten in sämtlichen medizinischen Bereichen, die lebenswichtig sind. Die gesetzlichen Kassen unterscheiden sich jedoch in diesen Punkten:

  • Bei der Höhe des Zusatzbeitrags
  • Bei den Bonusprogrammen
  • Bei unterschiedlichen Zusatzleistungen
  • Beim Service

Anhaltspunkte für den Wechsel bei gesetzlichen Krankenkassen

Der allgemeine Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) liegt 2019 bei 14,6% des Bruttoeinkommens. Ihn teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu gleichen Teilen. Zusätzlich erheben alle Krankenkassen einen Zusatzbeitrag. Seit Jahresbeginn zahlen Arbeitnehmer und Rentner davon ebenfalls nur die Hälfte des Zusatzbeitrags. Für die andere Hälfte kommt der Arbeitgeber oder die gesetzliche Rentenversicherung auf. Viele Versicherte sparen somit seit 2019 automatisch. Doch Krankenkasse ist nicht gleich Krankenkassen.

  • Zusatzbeitrag: Wer einen höheren Spareffekt erzielen möchte, sollte sich die unterschiedlichen Zusatzbeiträge genauer anschauen. 2019 betrug dieser durchschnittlich 0,9%. Teilweise unterscheidet sich die Höhe jedoch deutlich, wie diese Beispiele zeigen: Die hkk erhebt aktuell einen Zusatzbeitrag von 0,39%, die BKK Pfalz von 1,40%.
  • Bonusprogramme: Viele Kassen bieten mit Bonusprogrammen weiteres Sparpotential. Beispielsweise „belohnen“ einige Kassen ihre Versicherten mit einem Geldbetrag, wenn sie an Vorsorgeprogrammen teilnehmen, nicht rauchen und Sport treiben. Die Höhe variiert jedoch von Kasse zu Kasse. Andere GKV übernehmen etwa die Kosten einer Zahnreinigung, wenn die Mitglieder erfolgreich Stempel für ihre Bonushefte sammeln.
  • Zusatzleistungen: Jeder Krankenkasse steht es außerdem frei, ihren Versicherten Zusatzleistungen anzubieten. Das kann beispielsweise bei der Vorsorge oder bei alternativen Heilmethoden sein. Ebenfalls zum Programm vieler Kassen gehört ein Zuschuss zu Sportkursen oder Stressabbau-Seminaren. Einige Anbieter locken Familien mit zusätzlichen Vorsorgechecks für Kinder und Jugendliche. Viele Kassen bieten außerdem Wahltarife. Mit diesen können sich Versicherte Beiträge zurückerstatten lassen oder spezielle Leistungen in Anspruch nehmen.
  • Service: Einige Kassen besitzen deutschlandweit ein dichtes Filialnetz. Andere setzen darauf, digital per Chat zu beraten. Vor einem Kassenwechsel sollten Versicherte ausloten, ob sie mit dem Serviceangebot der neuen Kasse zurechtkommen.

Und so gehen Sie bei einem Wechsel vor

Um eine lückenlose Krankenversicherung zu gewährleisten, hat der Gesetzgeber in Deutschland vorgesehen, dass Sie trotz Kündigung krankenversichert bleiben, sollte die Versicherung bei der neuen Krankenkasse nicht (rechtzeitig) zustande kommen. Ausgeschlossen ist auch eine doppelte Krankenversicherung.

  • Schritt 1: Suchen Sie nach einer neuen Kasse und füllen Sie deren Mitgliedsantrag aus. Diesen finden Sie in der Regel online. Tragen Sie in dem Antrag ihre Sozialversicherungsnummer und die Anschrift Ihres Arbeitgebers ein. Für mitversicherte Familienangehörige oder Selbständige gibt es zusätzliche Antragsformulare. Übrigens: Die neue Kasse veranlasst keinerlei Voruntersuchungen und schließt keine Leistungen bei einer Krankheit aus.
  • Schritt 2: Kündigen Sie Ihrer alten Kasse schriftlich. Die Kündigungsfrist liegt bei zwei Monaten zum Monatsende. Achtung: Bei Wahltarifen sind Sie möglicherweise länger an Ihre bisherige Kasse gebunden.
  • Schritt 3: Sie sind verpflichtet, Ihrer bisherigen Kasse zu bescheinigen, dass Sie Mitglied einer neuen Kasse sind. Dieses Schreiben muss der alten Kasse noch innerhalb der Kündigungsfrist vorliegen. Im Gegenzug muss Ihnen die alte Kasse innerhalb von zwei Wochen schriftlich bestätigen, dass die Mitgliedschaft erloschen ist. Dieses Schreiben reichen Sie wiederum bei Ihrer neuen Kasse ein.

Wann Sie außerordentlich kündigen können

Sie müssen 18 Monate Mitglied einer Krankenkasse sein, bevor Sie kündigen und zu einer neuen Kasse wechseln können. Eine Ausnahme besteht, wenn Ihre Kasse den Zusatzbeitrag erhöht. In diesem Fall haben Sie die Möglichkeit, außerordentlich zu kündigen – auch dann wenn Sie noch nicht 18 Monate Krankenkassenmitglied sind. Mit Sonderkündigungsrecht haben Sie zwei Monate Zeit zu kündigen. Die Kasse ist verpflichtet, in dem Schreiben, in dem sie den neuen Zusatzbeitrag in Aussicht stellt, auf Ihr Kündigungsrecht hinzuweisen. Bei einem Wahltarif haben Sie im Fall von höheren Kosten ebenfalls ein Sonderkündigungsrecht. Der Krankengeld-Wahltarif ist nach Ablauf der Mindestlaufzeit kündbar.
 
Aufgepasst: Kürzt Ihre Kasse die Zusatzleistungen oder streicht sie komplett, ist das kein Grund für eine außerordentliche Kündigung.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (21)


Kommentare

ING

19.08.2019

Hallo Herr Utner, an dieser Stelle können wir Ihr Anliegen leider nicht beantworten - haben aber einen Tipp für Sie: Wenden Sie sich einfach an die Verbraucherzentrale. Sie können Ihnen kompetent und schnell Auskunft geben. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Karin

17.08.2019

Ich bin mit der TKK zufrieden. Jede andere Krankenkasse hat wieder andere Konditionen. Das professionelle Zahnreinigen lasse ich in Polen machen, dort ist es wesentlich billiger. Bei Zahnersatz habe ich noch keine Erfahrungen gemacht.


Dieter Utner

17.08.2019

Hallo ING bin 63 und Privat versichert kann ich die kk irgenwie noch wechseln mfg.


kalich

17.08.2019

Eine Volkskrankenkasse, wo sich Gesund und Krank solidarisch unterstützen, wäre eine sinnvolle Lösung. Man würde ohne diese vielen "Chefetagen" jedes Jahr Millionen sparen und könnte die Beiträge damit für alle senken.
Und diese Volkskrankenkasse gehört in staatliche Hand und darf keine Gewinne erwirtschaften, dann kommt das Geld wirklich den Versicherten zu Gute.
Überhaupt sollte alles Lebensnotwendige verstaatlicht werden, mit strengsten Auflagen. Wir nennen uns "Sozial"staat, lassen es aber zu, dass mit Strom und Wasser- was genau wie die gesundheitliche Versorgung zu den Grundbedürfnissen der Menschen gehört, Profit gemacht wird.
(Ach ja, Natur wird ja inzwischen auch schon verkauft- Eintritt am Strand.....)


ING

16.08.2019

Hallo Herr Prenzel, ein kurzer Nachtrag - die angegebene Kündigungsfrist (2 Monate zum Monatsende) ist korrekt. Viele Grüße nochmal, Ihr Social Media Team


rolf

16.08.2019

Die TK zahlt nicht die professionelle Zahnreinigung und auch nicht Beihilfen für Sehhilfen, obwohl Sehhilfen zu 100% wirksam sind.
Dafür bezahlt die TK aber homöopathische "Arzneimittel" obwohl deren Wirkung über einen Placeboeffekt hinaus bis heute nicht wissenschaftlich nachweisbar ist.
Es gibt halt zuviele Krankenkassen, die mit fragwürdigen Methoden um Kunden werben. Ein Wechsel lohnt sich auf Sicht eher nicht, da es keinen richtigen Wettbewerb gibt.


hapo

16.08.2019

Als Mitglied in der TK wundere ich mich, warum die TK z.B. an die AOK Millionen abführt, die AOK die Zahnreinigung bezahlt aber TK-Patienten ihre Zahnreinigung aus eigener Tasche zahlen müssen.
Nur eine SV-Kasse für alle BürgerInnen des Landes wäre sinnvoll. Die Wechselerritis hätte ein Ende.


jolomi

16.08.2019

Wir brauchen meiner Meinung nach keine 100 Krankenkassen mit Ihren "Wasserköpfen" die nur Geld kosten. Da man heute das meiste online tätigen kann, bräuchte man in einigen Städten ein kleines Service-Büro mit 2-3 Angestellten (je nach Mitgliederzahl in der Region), die das persönliche bearbeiten. So könnte man viel Geld sparen, das dann den Patienten bzw. auch den Ärzten zugute kommt.


ING

16.08.2019

Hallo Herr Prenzel, danke für Ihren aufmerksamen Hinweis. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


artha

15.08.2019

Sorry, aber jeder sollte sich um sein Gewerbe kümmern!

Mit der DiBa war und bin ich zufrieden, Krankenkassen sind aber ein ganz anderes Geschäft, da sollte sich eine Bank heraushalten!

LG


Heinrich Prenzel

15.08.2019

Hallo,
habe eine kl. Korrektur zu melden. Unter "So gehen Sie bei einem Wechsel vor": Bei Schritt 2 schreiben Sie "Die Kündigungsfrist liegt bei zwei Monaten zum Monatsende. " Das muss sicher heißen: zum Quartalsende.
M.f.G.
Heinrich Prenzel


Spreestrom

15.08.2019

Die KKH macht einem Pflegenden das Leben derart schwer, dass man überlegt, die Krankenkasse des zu Pflegenden zu wechseln. Wenn man aber jahrzehntelang die Beiträge an die KKH entrichtet, ist es dann fair, in eine andere Kranken-/Pflegekasse zu wechseln?
Es kann doch nicht sein, dass sich bestimmte Krankenkassen einfach arschig benehmen und so ihre kostenintensiven Versicherten abschieben - oder ist das inzwischen o.k.?


Sid

15.08.2019

Dieser ganze Krankenkassenwahnsinn sollte schnellstens beendet werden.
Es gibt keinen richtigen Wettbewerb da die Beitragssätze für gesetzlich Versicherte von der Politik fest gesetzt werden. Von einigen Krankenkassen wird unnötig viel Geld für Werbung ausgegeben, dass den Patienten besser zu Gute käme!
Von den über 1000 Krankenkassen, die es 1990 noch gab, sind aktuell noch ca. 100 übrig geblieben.
Ähnlich der Rentenkasse sollte es nur noch eine Krankenkasse für alle geben! Private Krankenkassen müssen abgeschafft werden! Egal ob selbstständig, verbeamtet oder Arbeitnehmer, für alle sollte der gleiche Beitragssatz gelten.
Beitragsbemessungsgrenzen müssen abgeschafft werden. Es kann doch nicht solidarisch sein wenn eine 450€ Kraft 230€ an die Kranken und Pflegeversicherung zahlen muß, ein Großverdiener aber ab 4800 € keine Beiträge mehr entrichten muß.
Im Arztzimmer wären endlich wieder alle gleich. Die schwierige Terminvergabe in einigen Landesteilen wäre ohne die bevorzugte Behandlung von privat Krankenversicherten einfacher und schneller.


Elisabeth

15.08.2019

Fest steht, dass wir in Deutschland immer noch zu viele Krankenkassen haben, deren Chefetagen sehr gut bezahlt werden. Hier liegt ein enormes Einsparpotential.


Hardy

15.08.2019

Leider ist ein Krankenkassenwechsel aus einer privaten Krankenversicherung ab einem bestimmten Alter nicht mehr möglich, sonst würde ich als Rentner sofort wechseln.


bluehauyn

14.08.2019

Ja die Kassenpatienten werden zum sparsamen Wechsel angeregt und die Privatpatienten sollen dir Rechnung. Leider bleibt mir ein Wechsel verwehrt, es sei denn ich gebe meine Altersrückstellung auf (ein Wahnwitz, dass man diese nicht zur nächsten Kasse mitnehmen kann). Aber dafür darf ich ja auch den 3-fachen Satz für jeden Handschlag beim Arzt zahlen. So finanziere ich ein desolates Gesundheitssystem mit frustrierten Ärzten.
Ein frustrierter Arbeitnehmer - gefangen im System


@Karl

06.08.2019

Es gibt einen Lastenausgleich zwischen den Kassen. Und es gibt auch eine gesetzliche Obergrenze für die Eigenkosten der Kassen.
Natürlich wäre eine gesetzliche Krankenkasse ausreichend und insgesamt kostengünstiger (die vielen Vorstände kosten sehr viel Geld). Aber das wäre dann wie in der DDR. Wo die Stadtverwaltung einer Kleinstadt oder auch Großstadt 80% weniger Beschäftigte hatte, als heute in der BRD.


Karl

05.08.2019

Warum ständig wechseln, nur weil die eine Kasse die andere immer mal um 1 Euro unterbietet? Mit dem ständigen wechseln wird alles nur kaputt gemacht, da keiner mehr mit Einnahmen und Kosten rechnen kann. Dann werden wieder Mitarbeiter entlassen usw.
Es sollte das Motto gelten...weniger ist mehr!!! Weniger Kassen, bessere und sichere Leistung.


Frank

02.08.2019

Also die BKK Mobil Oil ist sehr gut, bin zufrieden.
Einzig und allein ist das Bonussystem, das sollte abgeschafft werden und dafür gleich günstiger sein bzw. gleich jährlich Rückzahlungen an den Kunden bieten.


Jens

01.08.2019

Wer nur auf den Zusatzbeitrag schaut, der wird sich bei den Leistungen womöglich noch "umgucken". Und ist dann erstmal 18 Monate bei der neuen Kasse "gefangen".

Mein Tipp: Krankenkassen-Vergleiche von unabhängigen Anbietern wie Focus Money. Und dann ein eigenes, umfangreiches Bild machen. Schließlich geht es hier um die eigene Gesundheit - und nicht um einen Stromanbieter oder sowas...


die 18 Monate

01.08.2019

vergessen leider viele Wechsler - denn viele Wechsler wollen ganz fix wieder zurück …. .