Makler-Deutsch

Glücksgriff oder Bruchbude? Objektbeschreibungen verstehen │09.08.2019

Maklerdeutsch

Liebhaberobjekt, familienfreundliche Umgebung oder außergewöhnliche Architektur – gut klingende Floskeln beschönigen oft den tatsächlichen Objektzustand. Wie man Immobilienanzeigen richtig deutet:

Ein Hauskauf ist eine Entscheidung, die wohl überlegt sein soll. Es ist mehr als ärgerlich, wenn sich erst nach dem Kauf herausstellt, dass das vermeintliche Traumobjekt eher einer Bruchbude gleicht. Glücklicherweise sind Makler generell dazu verpflichtet, dem potenziellen Käufer die Dinge mitzuteilen, die für die Kaufentscheidung von Bedeutung sein könnten. „Bekannte Mängel dürfen unter keinen Umständen verschwiegen oder überdeckt werden“, erklärt Julia Wagner vom Eigentümerverband Haus und Grund in Berlin. Wenn es Ärger gibt, ist allerdings der Kunde bzw. der Käufer in der Beweispflicht: „Er muss beweisen, dass der Makler gegen seine Pflichten aus dem Vertrag verstoßen hat“, sagt Fachanwalt Kai-Peter Breiholdt vom Deutschen Anwaltverein (DAV). Gewinnt der Kunde den Rechtsstreit, verliert der Makler seine Provision und muss gegebenenfalls Schadenersatz zahlen.

Formulierungen richtig deuten

Ob Eigenheim, Eigentumswohnung oder eine Mietwohnung – ein „Fehlgriff“ kann ärgerlich und kostspielig sein. Um nicht die Katze im Sack zu kaufen, lohnt es, sich „Maklerdeutsch“ anzueignen. Denn oftmals verbergen  beschönigende Formulierungen den wahren Zustand von Wohnobjekten. Diese Floskeln verwenden Makler häufig:

  • Wohnung in zentraler / verkehrsgünstiger / gefragter Lage: Kann ein schöner Stadtteil sein – oder das Objekt liegt mitten in einer Partymeile oder an einer stark befahrenen Straße. Verkehrsgünstig ist es auch direkt neben der S-Bahn, neben dem Flughafen oder an der lautesten Kreuzung der Stadt.
  • Gut erhalten / charmanter Altbau: Hier wurde lange nicht modernisiert!
  • Familienfreundliche Wohnlage: Kindergarten, Schule oder Kita sind sehr nah, vielleicht geht das Schlafzimmerfenster direkt zum Schulhof raus. Oftmals eine Formulierung für laute Gegenden.
  • Unberührte Natur / Wohnen im Grünen: Kaum öffentlicher Nahverkehr, schlechte Infrastruktur, Supermärkte, Ärzte und Schulen sind nur mit dem Auto erreichbar. Wer das Landleben liebt, kann hier trotzdem glücklich werden.
  • Individueller Grundriss / außergewöhnliche Architektur: Hier ist bei der Planung etwas schief gelaufen. Schräge Wände, wenig Stellfläche, verwinkelte Räume – das muss man wirklich mögen.
  • Liebhaberobjekt / Objekt mit Potenzial / für Handwerker: Hier wird eine „Bruchbude“ verkauft, die man dringend sanieren muss. Wer Geld, Zeit und Nerven für eine Sanierung hat und sich austoben möchte, kann hier vielleicht ein Schnäppchen machen. Alle anderen lassen lieber die Finger davon.
  • Seriöses Umfeld: Immobilie inmitten eines Geschäftsviertels, in dem tagsüber die Parkplätze knapp sind und in dem abends nichts los ist.
  • Puristisch / Neuinterpretation: Viel Glas und Stahl. Das heißt auch: wenig Gemütlichkeit, im Sommer sehr warm. Wenn keine Klimaanlage vorhanden ist oder zusätzlich die Formulierung „lichtdurchflutet“ verwendet wird, ist tropische Hitze vorprogrammiert.
  • Mit allem, was das Herz begehrt: überteuerte Einbauten oder Einbauküchen, die nicht jedermanns Geschmack und häufig überhaupt nicht zweckmäßig sind.
  • Aufstrebende Viertel / Lage mit Potenzial: Hier tut sich noch einiges. Baustellen in den nächsten Jahren inklusive. Unbedingt in den Bebauungsplan der Gegend gucken!

Den Markt analysieren

Immer sollten Kauf- oder Mietinteressenten mit einem Vergleich prüfen, ob der Preis realistisch ist. So geht’s: Ähnliche Immobilien in der gleichen Lage recherchieren, Marktanalysen lesen, Bodenrichtwerte beziehungsweise Quadratmeterpreise vergleichen und im Zweifel einen unabhängigen Makler oder Gutachter beauftragen, den Wert eines Objekts einzuschätzen. Diese Zeit und eventuelle 300 bis 400 Euro für die Expertise eines Experten sind gut investiert, um spätere Ärgernisse zu vermeiden, die dann vielleicht richtig wehtun.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (14)


Kommentare

Holger

28.08.2019

Überall sollte der Schmarrn mit den verklauselierten Deutsch weg. Einfach mal direkt sein und tachles reden.
Dies würde vertrauen bilden und alles wäre einfacher.


Jokel

28.08.2019

Die ganze Vertreter Sippe gehört weg.

Nichts mehr auf Provisionsbasis, da wird der (neue) Kunde ja nur von vorn bis hinten verar***.

Wenn dann sollten Firmen ihre Vertreter als Angestellte fest einstellen, wenn sie das nicht tun, dann stehen sie auch nicht hinter ihrem Produkt, weil es dann keiner möchte ohne vollgeschwaffelt und überredet werden zu müssen.
Außerdem schieben sie die Haftung dann auf den Vertreter.

Alles nur noch lug und betrug in der ach so tollen "modernen" Gesellschaft.


Realist

20.08.2019

Wie ???
Kein Privateigentum mehr ?
Über 60 % der Wohnungen , der "vermieteten " Wohnungen kommen von privaten Vermietern. Auf den Staat kannste lange warten, einfach mal über Fakten informieren, statt Parolen posten.


Silvia

19.08.2019

Warum wird auf Makler-Deutsch herumgehackt? Wie steht es mit Behörden-Deutsch, mit Zeugnis-Deutsch beim Arbeitszeugnis, mit blumigen Reiseveranstalter-Deutsch etc. etc. Merkt der Leser hier etwas??? Jeder, der etwas zu verkaufen hat, preist die Ware an. Übrigens auch der Privatverkäufer! Seriöse Makler können sich auch nur auf die Auskunft verlassen, die der Verkäufer bereit ist zu geben. Seriöse Makler haben aufgrund der Beschaffung der notwendigen Unterlagen für den Verkauf der Immobilie sogar sehr oft ein umfangreicheres Wissen als der Verkäufer und dieses wird dann an beide Seiten weitergegeben (Verkäufer und Käufer) Jedenfalls ist das bei uns so. Außerdem entbindet ein Makler den Käufer nicht davon, sich selbst ein Bild vom Objekt, der Umgebung und eventuell der Nachbarschaft zu machen.


Armin

18.08.2019

Wieso eigentlich immer ein Makler?
Wir haben unser Haus ohne Makler erworben und das gesparte Geld lieber in die Renovierung gesteckt.
Ein Makler haftet in der Realität eh für nichts, mal das Kleingedruckte lesen, z. B. alle Angaben basieren auf den Angaben des Verkäufers....
Ich verstehe nicht, warum also alle immer zu einem Makler rennen.


Dieter

16.08.2019

Leider ist es so, dass Worten alleine nicht geglaubt werden können, selbst dann, wenn sie aufgeschrieben wurden. Eine bestimmte Situation mit kreativen Wortfindungen nett zu umschreiben gehört doch zum Alltag. Besonders schlimm dran sind natürlich die Menschen, die immernoch an die Ehrlichkeit in der Geschäftswelt glaubt. Manche Menschen glauben aun die Ehrlichkeit, andere sind einfach zu naiv und nicht wenige Verbrauicher sind einfach zu faul sich mit der Sache auseinander zu setzen. Auch bei der Wohnungssuche darf man den guten Rat von Freunden, Kollegen oder anderen Familienmitgliedern höhren. Der beste Rat ist wohl dennoch wenn man nichts übereilt entscheidet unb besser auch mal die Aufen aufmacht, sich im Umfeld der vermeintlich neuen Wohnung bei den Nachbarn umhört und dem Makler einfach ganz konkrete Fragen stellt.


Verena

14.08.2019

Die gängigen Maklerfloskeln zu kennen, ist schon mal gut, entbindet den Käufer oder Mieter aber nicht von der Aufgabe, sich vor Ort selbst ein ausführliches Bild zu machen. Aber wenigstens ist man durch die Kenntnis der Floskeln vorbereitet...
Und Privateigentum generell zu verbieten, halte ich für Quatsch. Allerdings wäre es gut, wenn nur selbst genutztes Wohneigentum zulässig wäre, alle Mietobjekte sind im Besitz der Kommunen. Und hier haben die Bürger / Mieter ein gehöriges Mitspracherecht und können unfähige Verwaltungskräfte notfalls ihres Amtes entheben! Wohnen ist ein grundlegendes Menschenrecht wie sauberes Trinkwasser, und der Zustand vieler Mietwohnungen großer Gesellschaften liegt mancherorts noch ein ganzes Eck hinter den DDR-Plattenbauten...


Bertram

13.08.2019

Warum muss überall rumgeschwaffelt werden, was keine Sau versteht???
Juristendeutsch, Maklerdeutsch, etc. etc.

Wie wäre es mal deutschen Deutsch, dass jedermann versteht, ob studiert, gelernter Versicherungs- / Bankkaufmann, Ingenieur usw.


Hans

12.08.2019

Hier wird aber auch Verantwortung von den Käufern verlangt. Bevor ich das Objekt kaufe kann ich mich mehrere Stunden in der Gegend aufhalten um mir ein Bild vom Umfeld zu machen. Bebauungspläne sind auch öffentlich. Flughäfen oder Kinderlärm kommt nicht plötzlich. Eine zu einem passende Immobilie finden bedeutet für den KÄUFER Zeitaufwand und Geduld. Und Stilblüten wie Klagen gegen Hühnerlärm wenn ein Haus in einem Brandenburger Dorf gekauft gehören genauso abgewiesen wie Klagen gegen Kinderlärm. Bei mir hat der Prozess von der Entscheidung "ich will kaufen" bis zum "gekauft" ein Jahr gedauert. Wenn ich schnell umziehen muss ist daher für eine Übergangszeit eine Mietwohnung ideal.


@MIETERstattBIETER

12.08.2019

Systeme die unter anderem bei Wohnungen auf Volkseigentum setzen enden so wie die DDR. Inklusive der Wohnraumsituation in der DDR, Plattenbauwüsten und verfallene Altbauten. Private Eigenheime waren auch in der DDR, von wenigen Ausnahmen abgesehen, immer in einem Besseren Zustand als die VEB-Wohnungen.
Ich habe das selber 19 Jahre erleben dürfen, sowohl die Zeit im Elterlichen Einfamilienhaus als auch in der Platte. Einer der Gründe warum ich heute auch eine eigene Wohnung habe.


Tom

12.08.2019

Der Staat bekommt die Verwaltung von einem! Holzboot nicht mal hin. Da soll er ein paar Millionen Wohnungen, Häuser und Grundstücke verwalten? Hat man ja auch Ende der 80er im Osten gesehen, wie gut das klappt.


MIETERstattBIETER

11.08.2019

ALLES IN DEUTSCHLAND SOLLTE VERMIETET WERDEN!!! KEIN EIGENTUM FÜR PRIVAT MEHR!! NURNOCH EIGENTUM VOM STAAT DER VERMIETET WIRD!


@Karl von Realist

10.08.2019

Du hast leider jene Typen vergessen, die ein sehr preisgünstiges Haus neben einer stark befahrenen Bahnstrecke erwerben und dann sofort sich einer Klagegemeinschaft anschließen und die Stilllegung der Bahnstrecke fordern oder wenigstens sofort gerichtlich gegen das zuständige EIU vorgehend und umfassende Lärmschutzbaumaßnahmen am eigenen Haus durch dieses EIU finanzieren lassen.
Wir leben halt in einer bekloppten und absurden Gesellschaft.


Karl

09.08.2019

Es sollte gesetzlich vorgeschrieben werden, offen, ehrlich, transparent und detailliert genau anzugeben wie die Lage wirklich ist. Dann kann man selber entscheiden ob man "Familienfreundlich" etc. ist.
Paradox sind die "Idioten", die aufs Land ziehen, in die Nähe einer Kirche oder eines Bauernhofes bzw. Weidegrund und dann gerichtlich Klagen, dass die Kirchglocken läuten oder das die Kuhglocke läutet.