Shoppen im Internet

Wie sich Online-Preise verändern | 15.03.2019

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© Danilo Andjus - istock.com

Nicht nur an Tankstellen gehen die Preise rauf und runter. Auch im Internet kann ein Angebot am nächsten Tag plötzlich doppelt so viel kosten. Woran das liegt und was Sie beim Online-Shopping beachten sollten.

Abends auf der Couch ein paar neue Schuhe bestellen oder unterwegs per Smartphone noch schnell den nächsten Kurzurlaub buchen: Fast jeder Deutsche, der einen Internetanschluss hat, geht auch online einkaufen – das ergab eine repräsentative Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitcom. Doch wer nicht im richtigen Moment zuschlägt, zahlt mehr, als er eigentlich müsste.

Preise werden zum Teil mehr als verdoppelt

Viele Verbraucher kennen das: Die Preise im Internet fahren gerne Achterbahn. Das belegt auch eine Studie des Marktwächterteams der Verbraucherzentrale Brandenburg. Die Marktwächter haben dafür über tausend Produkte bei 16 Online-Händlern untersucht, darunter Elektronikmärkte und Versandapotheken. Das Ergebnis: 15 von 16 Händlern ändern regelmäßig ihre Preise, zumindest für einen Teil ihres Sortiments. Der Preis für ein und dasselbe Produkt wurde innerhalb von 34 Tagen bis zu 32 Mal geändert. Insgesamt hat die Verbraucherzentrale bei 37% der beobachteten Preise Schwankungen entdeckt – zum Teil wurde der Preis sogar mehr als verdoppelt. Eine Designer-Hose gab es zum Beispiel erst für 79,95 Euro und am nächsten Tag für 199,95 Euro im Online-Shop. Und ein und dasselbe Smartphone kostete entweder 580 Euro oder 800 Euro.

Preisschwankungen ärgern Kunden

Solche Preisänderungen kommen bei den Verbrauchern gar nicht gut an – sogar dann nicht, wenn sie davon profitieren. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Universität Köln und des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie. „Der Kunde kann nicht einschätzen, ob er bei seinem Kauf gerade spart oder draufzahlt“, erklärt Marktwächter-Teamleiterin Kirsti Dautzenberg. „Zudem hat er keinen verlässlichen Referenzpreis mehr, an dem er den Wert eines Produkts bemessen kann.“ Die fehlende Transparenz lasse das Vertrauen schwinden.

Unterschiedliche Preise hängen von vielen Faktoren ab

Wovon aber hängen die Preisschwankungen ab? „Die Regeln dahinter sind ein großes Geheimnis der Branche“, meint Tobias Weidemann, Redakteur des Digitalmagazins „t3n“. Zum einen spiele Angebot und Nachfrage sowie die Preisgestaltung der Konkurrenz eine Rolle, zum anderen aber auch Faktoren wie Saison und Wetter. „Wenn es über einen längeren Zeitraum nicht mehr Minustemperaturen hat, die Lager für Wintersportkleidung aber noch voll sind, werden automatisiert jene Artikel, von denen der Händler befürchtet, dass sie demnächst nicht mehr verkäuflich sind, reduziert“, sagt Weidemann. Auch die Tageszeit beeinflusst die Angebote: Laut Studie der Verbraucherzentrale Brandenburg waren zum Beispiel Autobatterien und Reifen am Vormittag bis zu 30% teurer als am Nachmittag.

Personalisierte Preise sind noch eine Ausnahme

Online-Händler können die Preise aber nicht nur für alle Kunden gleichermaßen ändern, sondern je nach benutztem Endgerät, Standort oder Einkaufsverhalten personalisieren. So würden etwa iPhone-Besitzer tendenziell als kaufkräftiger eingeschätzt und Nutzern von Preissuchmaschinen würde unterstellt, dass sie besonders preissensitiv sind, sagt Weidemann. Wer beim Einkaufen immer eingeloggt bleibt, hinterlässt ebenfalls seine Spuren: „Im angemeldeten Zustand wird gespeichert, ob der Kunde in der Vergangenheit immer nur Schnäppchen oder zum Beispiel die neueste Technik gekauft hat. Dementsprechend kann der Händler Rückschlüsse auf das Einkaufsverhalten und die Zahlungsbereitschaft ziehen – und gegebenenfalls die Preise anpassen“, erklärt der Digitalredakteur. In der Praxis sind personalisierte Preise aber laut Verbraucherzentrale Brandenburg eher die Ausnahme. „In Deutschland sind die Kunden von solchen Anpassungen noch nicht so begeistert wie in Asien beispielsweise“, sagt Weidemann. Wer hierzulande ein individuell zugeschnittenes Angebot bekäme, sei eher verunsichert.

Checkliste: Wie kann man mit schwankenden Preisen umgehen?

Ganz hilflos ausgesetzt sind die Kunden der Preis-Achterbahn nicht. Wer diese Tipps beachtet, kann beim Online-Shopping das ein oder andere Schnäppchen ergattern:

  • Nicht sofort zuschlagen: „Es empfiehlt sich, die Preise über einen längeren Zeitraum zu beobachten und Spontankäufe zu vermeiden“, sagt Dautzenberg.
  • Preissuchmaschinen verwenden: Wer über eine Preissuchmaschine kommt, könnte laut Weidemann günstigere Preise finden.
  • Verschiedene Browser verwenden: Auch der benutzte Browser könne einen Einfluss auf die Preisgestaltungen haben. Im Zweifel das Angebot lieber mit verschiedenen Browsern aufrufen und vergleichen.
  • Cookies löschen: Um möglichst wenig Daten preiszugeben, empfiehlt es sich, Cookies zu löschen oder gar nicht zuzulassen. „Das geht, wenn man im anonymen Modus surft. Dazu einfach im Browser ein Inkognito-Fenster öffnen“, rät Weidemann.
  • Preis über Rechner und Handy vergleichen: Laut Verbraucherzentrale Brandenburg können unterschiedliche Preise auch vom Endgerät abhängen.
  • Nicht einloggen: Wer bei Online-Shops im angemeldeten Zustand einkauft, gibt sein Kaufverhalten preis. Daher rät Weidemann, sich vorher auszuloggen.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (17)


Kommentare

Sandra

20.04.2019

Cool


ING

28.03.2019

Hallo Timo, denn Zeitraum kann jeder Käufer nur individuell für sich festlegen. Aber auf der Suche nach einem Schnäppchen sind Spontankäufe vielleicht nicht immer die günstigste Alternative. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Timo

28.03.2019

Generell finde ich das absolut legitim. Wichtig ist nur das man sich dessen bewusst ist. Deswegen, guter Artikel!

Was ist eigentlich mit "längerer Zeitraum" bei der Beobachtung gemeint?

Persönliche Preisanpassung ist heikel. Das könnte diskriminierend sein, wenn ich z.B. Käufern aus Hessen mehr Geld abverlange nur weil ich eine persönliche Abneigung gegen Menschen aus Hessen habe. Gesetze haben wir genug und vermutlich auch eines dagegen.

Timo


ING

25.03.2019

Hallo Frau Koch, ja, in der App hat sich einiges getan! Und bald können Sie auch Ihre Daueraufträge und Terminüberweisungen darüber verwalten. Probieren Sie es doch gerne noch einmal aus. Natürlich ist es aber auch möglich, alle Eingaben weiterhin am PC durchzuführen, und die Banking to go App lediglich für die Freigabe zu verwenden. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Chris

24.03.2019

Vielleicht beim örtlichen Handel kaufen?ßß


Koch Marieluise

24.03.2019

Giro Konto..Tanliste : wenn es diese nicht mehr gibt
Wie wird es mit Terminüberweisungen
Dauerauftrag getan ?
Dies habe ich sehr oft
Hat sich die App so viel verändert ,das dies auch getan werden kann ....
Ich hatte diese App vor längerer Zeit bereits ....diese dann wieder gelöscht
Für den Tipp ihrerseits bedanke ich mich herzlich
Mit freundlichen Grüßen Marieluise Koch


Wahrheitsager

24.03.2019

Hallo Gemeinde,
so lange der Staat bei fast jedem Verkauf, teilweise sogar mehrfach, mit verdient, obwohl er hierfür kein Zutun erbringt, was übrigens Parasiten gleich kommt, wird sich nichts an den willkürlichen "Preisanpassungen" ändern!
Wie schon mehrfach von mir erwähnt, nimmt es einfach selber in die Hand und geht dagegen energisch vor! Hier seinen Unmut Luft machen bringt Keinen weiter, ist leider so. Nur selbst aktiv werden bringt die wirkliche Lösung! Denkt mal drüber nach.


Xandra

22.03.2019

Am besten gut recherchieren und wenn dann gekauft, nicht mehr kucken;-).


stbe

22.03.2019

In meinen Augen ist es Betrug, wenn ich das Doppelte bezahle wie der Kunde 2 Stunden vor mir. Jeder Preis sollte ja auskömmlich kalkuliert sein und Preisdumping unter Selbstkostenniveau ist nach meiner Meinung auch unlauterer Wettbewerb.


ich

21.03.2019

Während eines Tages Preise zu verändern um den Gewinn zu maximieren empfinde ich als eine Frechheit. Am auffälligsten ist das bein Tankstellen. Es sollte gesetzlich festgelegt werden das alle Tankstellen nur 1x am Tag und nur exakt zu einer ganz genauen Zeit den Preis für diesen Tag festlegen können. Ich vermute, dass würden den Wettbewerb etwas anheizen.

Noch dreister finde ich die Preismanipulationen von Fluggesellschaften bei online-Buchung. Das ist für mich keine Preisgestaltung, sondern krimineller Betrug.


tomtom68

21.03.2019

IP Adressen werden mitgelesen, der erste Preis ist meist der günstigste.

Deshalb, vor finaler Bestellung:

- Browser Cache und Cookies löschen
- PC nehmen, Tablet und Phone macht es teuerer
- Zwangstrennung im Internet Router für eine neue IP Adresse

Viel Spass.


JCW

20.03.2019

Der Gewerbetreibende identifiziert seine Kunden nicht nur über Cookies oder Anmeldung, sondern auch über IP-Adresse und Standort.
Fluggesellschaften bieten bei der ersten Suche immer den besten Preis. Bespricht man den dann erst mal mit Mitfliegern (passen Preis, Datum und Uhrzeit, etc.) ist der Preis beim nächsten Suchvorgang schon höher.


Bitcoin

20.03.2019

Ich empfehle den Brave Browser mit eingebautem Addblocker, da könnt Ihr individuell entscheiden welche Daten ihr blocken wollt. Allerdings wenn man die Cookies sperrt, funktioniert keine Preissuchmaschine mehr...

42


Anonym

15.03.2019

Wie bösartig ist man da als Kunde, wenn man vorzugsweise Bücher kauft, deren Preis - Buchpreisbindungsgesetz sei dank - einfach nicht geändert werden darf!


notting

15.03.2019

@Karl: Teilw. kommt aber sowas auch schlicht dadurch zustande, dass die Leute z. B. nicht den Unterschied zwischen Amazon und Amazon Marketplace blicken, also gerade schlicht auf den Preis eines anderen(!) Händlers schauen bzw. irgendein Händler sein Angebot gerade preisl. verändert oder rausgenommen hat da gerade ausverkauft oder nicht mehr anbieten will. Oder sie sind schlicht auf eine andere Variante des Produkts geraten.

notting


notting

15.03.2019

"Cookies löschen: Um möglichst wenig Daten preiszugeben, empfiehlt es sich, Cookies zu löschen oder gar nicht zuzulassen. „Das geht, wenn man im anonymen Modus surft. Dazu einfach im Browser ein Inkognito-Fenster öffnen“, rät Weidemann."
Auch im "Inkognito-Fenster" gibt's IIRC i.d.R. Cookies. Der einzige Unterschied ist, dass sie beim Schließen des Fensters unabh. von den allg. Cookie-Einstellungen gelöscht werden bzw. evtl. gar nicht auf der Platte landen sondern im RAM gehalten werden, was forensische Datenspuren-Untersuchungen auf dem Datenträger schwierig bis unmögl. macht. Hängt vllt. auch vom Browser ab.
Daher finde ich den Tipp gefährlich, solange man darauf nicht hinweist bzw. es so schreibt wie im Artikel.

"Nicht einloggen" ist so wie es da steht totaler Quatsch.
1. Solange man nach dem "Schlendern" nicht die Cookies löscht und alles wieder frisch in den Warenkorb legt, kann man leicht das zunächst "anonyme" Cookie mit allen Infos beim Einloggen jmd. zuordnen.
2. Selbst wenn man ausgeloggt einkauft: Bei der eigentl. Bestellung muss man ja Kundennr., Adresse etc. angeben. Darüber lassen sich Einkäufe auch leicht zusammenführen -> tolles Kaufverhalten-Profil.

"Verschiedene Browser verwenden": In sehr absehbarer Zeit wird's nur noch 2 Browser-Engines geben. Und für div. Browser gibt's Plugins, über die man den String mit dem sich der Browser meldet ändern lässt. Allerdings gibt's da Tricks wie man Browser-spez. Eigenheiten trotzdem Server-seitig erkennen kann.

"Preissuchmaschinen verwenden": Teilw. steht es sogar in den Preissuchmachinen, dass der Preis von Produkt X bei Händler Y nur beim Einstieg über die Preisvergleichsseite gilt. D.h. besser wäre, wenn man versch.(!) Preissuchmaschinen verwendet.

notting


Karl

15.03.2019

Das die online Preise ständig, bloss weil man mal klickt, steigen und fallen ist eine Schweinerei.

Da könnten die Läden im Laden auch Kameras aufhängen, Personal zusehen lassen, was man gerade mal in der Hand hatte, die laufen gleich hin und ändern den Preis nach oben oder unten.
Je nachdem was man in der Hand hatte oder nicht.

Frechheit....
Da sollte es ein Gesetz geben....

Ist mir auch schon passiert, was angeklickt, angesehen, nach zwei Minuten wieder und ich sollte 20 Euro mehr zahlen.
Pffff...habe ich nicht gemacht.