Vernetzter Haushalt

So sicher sind Smart-Home-Geräte | 14.05.2020

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Ob beim Einkaufen, Putzen oder Heizen: Digitale Smart-Home-Geräte sollen ihren Besitzern Arbeit abnehmen. Doch sind die Helferlein auch sicher?

Licht, das sich automatisch abschaltet, Kühlschränke, die ihren Besitzern per Kamera beim Einkaufen zeigen, welche Lebensmittel noch vorhanden sind oder Saugroboter, die von alleine im Haus putzen: Was wie eine Traumvorstellung klingt, gehört bereits in einigen Haushalten zum Alltag. Sogenannte Smart-Home-Geräte sind zwar praktisch und können Kosten senken, haben aber auch ihre Tücken – vor allem in Sachen Sicherheit. Was Verbraucher dazu wissen sollten und wie sie sich schützen können.

Was sind Smart-Home-Geräte?

Smart-Home-Geräte sind digital vernetzte Geräte, die den Alltag effizienter gestalten sollen. Und der Markt wächst: „Immer mehr Verbraucher steuern Heizungsthermostate, Lampen und Jalousien per Smartphone oder lassen autonome Staubsauger durch ihre Wohnungen fahren“, sagt Marc Fliehe, Leiter Digitales und IT-Sicherheit beim TÜV-Verband (VdTÜV). Ein weiterer Bonus solcher Geräte: Sie können beispielsweise dabei helfen, Heizkosten zu sparen. Wie? Indem sie die Raumtemperatur automatisch herunterfahren, sobald der Besitzer das Haus verlässt.

Verbraucher haben Sicherheitsbedenken

Wenn es allerdings um die Sicherheit und Privatsphäre von Smart-Home-Geräten geht, ergeben sich viele Fragen. Erst im vergangenen Jahr gab es dazu eine lebhafte politische Debatte: Das Innenministerium diskutierte darüber, ob Ermittler auf Daten der smarten Geräte zugreifen dürfen, um beispielsweise einen Mord aufzuklären. Noch gibt es keine klare Regelung, doch einige Politiker bleiben alarmiert.
 
Auch viele Verbraucher sind den Geräten gegenüber nicht nur euphorisch eingestellt. Laut einer Umfrage des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) haben sie unter anderem Sicherheitsbedenken: 51% derjenigen, die ein Smart Home ablehnen, befürchten etwa, dass ihre Daten unbefugt weitergegeben werden. Sind diese Ängste begründet?

Wie sicher sind smarte Hausgeräte?

Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Kunden für smarte Geräte, die über Apps funktionieren, oft ein Benutzerkonto anlegen müssen – und damit persönliche Daten wie Geburtsdatum, Telefonnummer, Adresse und E-Mail preisgeben. Außerdem werden sensible Daten, beispielsweise Videoaufnahmen aus der Wohnung, in einer Cloud gespeichert. Problematisch daran: Oft werden diese Informationen laut Verbraucherschützern nicht nur von den Herstellern verarbeitet, sondern teilweise auch von Drittanbietern. Auch der TÜV-Verband warnt vor Sicherheitsproblemen: „Immer wieder kommen Smart-Home-Geräte mit eklatanten Sicherheitslücken auf den Markt“, sagt Fliehe.
 
Doch müssen sich Verbraucher bei allen smarten Geräten Sorgen um ihre Daten machen? Das hängt vom Gerät und dessen Nutzung ab: „Wenn Kameras und Mikrofone im Spiel sind, sind immer auch hochsensible Daten betroffen“, warnt Dennis-Kenji Kipker, Rechtswissenschaftler von der Universität Bremen. Bei vernetzten Kaffeemaschinen hingegen bestehe fast kein Risiko.

Sicherheitslücken durch Heizungen im Smart Home

Mit Daten von smarten Heizungen lässt sich ein Nutzungsprofil erstellen. Dieses zeigt zum Beispiel, wann das Haus tagsüber verlassen ist, wie Sven Hansen vom Computer-Magazin „c't“ erklärt. Fallen solche Daten Kriminellen in die Hände, lassen sich zum Beispiel Einbrüche besser planen. Die „c't“ machte in der Vergangenheit unter anderem bei vernetzten Alarmanlagen Sicherheitslücken aus.
 
Hansen rät daher, sorgsam abzuwägen, ob der Komfortgewinn durch die neuen Technologien das mögliche Sicherheitsrisiko wert ist. Falls es das ist: Setzen Sie sich mit dem System gut auseinander. Dazu gehört zum Beispiel, voreingestellte Passwörter zu verändern. Das macht nicht immer der Hersteller. Wichtig ist, sich selbst zum Experten zu machen.

Checkliste: So können sich Verbraucher schützen

Die gute Nachricht ist: Verbraucher sind den Sicherheitsrisiken nicht hilflos ausgeliefert, wenn sie sich für smarte Haushaltsgeräte entscheiden. Sie können selbst einige Dinge tun, um ihre Daten zu schützen. Der VdTÜV und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) geben Tipps:

  • Vor dem Kauf Fragen der Sicherheit und Privatsphäre klären: Welche Daten werden vom Gerät gesammelt und wo werden diese weiterverarbeitet? Das sind Fragen, die Verbraucher noch vor dem Kauf klären sollten. Auch über den Hersteller sollten sie sich vorab informieren: „Unter Datenschutzgesichtspunkten sollte man immer EU-Herstellern den Vorzug geben, da diese dem strengen Regime der Datenschutzgrundverordnung, DSGVO, unterliegen – selbst wenn sie Daten ins Ausland übermitteln“, rät Kipker.
  • Passwort ändern: Wird das Smart-Home-Gerät mit einem voreingestellten Passwort geliefert, sollten Kunden dieses umgehend ändern. Leider wird das in der Praxis noch vernachlässigt: Laut einer Umfrage, die im Auftrag des TÜV-Verbands entstand, lässt fast jeder zweite Nutzer (47%) das Standardpasswort unverändert – und macht es damit Hackern leicht. Empfehlungen des BSI zu sicheren Passwörtern gibt es hier.
  • Software-Updates durchführen: Software-Updates sind wichtig, um mögliche Sicherheitslücken zu schließen. Diese sollten Verbraucher regelmäßig durchführen.
  • Sichere Internetverbindung wählen: Verbraucher sollten sich immer fragen: Welche Geräte müssen wirklich von der Ferne aus gesteuert werden? „Smarte Hausgeräte müssen nicht immer von unterwegs bedient werden. Dann reicht es aus, wenn die Geräte innerhalb des besser abzusichernden Heimnetzwerkes erreicht werden können“, rät Fliehe. Noch sicherer wäre es laut VdTÜV, ein separates WLAN zu verwenden, das nicht mit den eigenen Computern verbunden ist.
  • Auf verschlüsselte Verbindung achten: Die Datenübertragung zwischen den Geräten sollte immer verschlüsselt stattfinden. Denn: Hacker können drahtlos übertragene Daten leicht von außen abgreifen.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (14)


Kommentare

Pit

22.05.2020

Diese gesamte Technik gipfelt letztendlich in den totalen Überwachungsstaat. Wer da freiwillig mitmacht hat selber schuld. Gesetzliche Regelungen sind nicht das Papier Wert auf dem sie geschrieben sind, dass hat die Vergangenheit oft genug gezeigt.


A. Ulrich

17.05.2020

Es stellt sich gar nicht mehr die Frage nach Bequemlichkeit, wenn der Mensch so weitermacht. Solange wir unsere Erde nicht retten können, braucht auch Niemand mehr ein Smart Home. Die Technik ist angeblich so weit, aber was macht das alles mit uns. Der Mensch sollte mal wieder ein paar Gänge zurückschalten, damit auch unsere Nachkommen noch etwas von unserer Erde haben. Die gibt es nämlich nur einmal und wenn wir alle so weitermachen, bald nicht mehr.


Klaus Hanisch

16.05.2020

Mit einem verkabelten Smart Home (nicht per Funk/WLAN), das nicht mit dem Internet verbunden ist, gehe ich kein Risiko ein, dass es von außen abgehört oder gehackt wird, und habe dennoch die Vorzüge von Komfort und Energieeinsparung. Smart Home ersetzt nicht kritisches Denken! Jeder hat seinen eigenen Maßstab, wie weit er sein System für erwünschte und unerwünschte Steuersignale nach außen öffnet; dazu gehört auch die Entscheidung für ein System, das autark (ohne Internet) noch funktioniert oder eben nicht.


GRausSchSch

16.05.2020

Was ist ein "autonomer Staubsauger"? Welche Gesetze macht denn der selbst?
Herrn Dr. P. Holmbecks Ansicht teile ich: Alles Quatsch.
Im Übrigen: Nicht nur Grund-und-Boden ist begrenzt, auch die verfügbaren Frequenzen. Schon jetzt kämpft man mit Überschneidungen/Störungen.


Frank

16.05.2020

Leider sind die ganzen Kommentare und damit auch der Artikel in unserer digitalen Welt mit fast 2 Jahren URALT und damit nur obsolet und unnötiger Datenverbrauch. Auch in Corona Zeiten kann man wohl sich um Aktualität zumindest bemühen, liebe Redaktion.


Dr. Peter Holmbeck

12.12.2018

Das ist alles Humbug...
Bei einem Smarthome macht man sich komplett Internet- / Stromabhängig. Des Weiteren ist es ein sehr großes Einfallstor für Hacker, Viren und Trojaner.
Türen gehen nicht auf oder sind offen, Heizung wird zu kalt oder warm, Geräte schalten sich ein oder aus...
Mögliche Quellen: Fehlerhafte Programmierung des Eigentümers, ein Hacker von der anderen Weltseite der sich spielt usw. usw.
Wie bequem will der Mensch noch werden? Weniger Bewegung, weniger denken,...


Stefan

23.08.2017

Guter Artikel :)


Frank Kaufmann

17.08.2017

Zu JK und dem Buch Blackout - da gibt es noch einen Klassiker mit der Cyber Datenbrille von der man auch nichts mehr hört - Google Glass und von den anderen Anbietern hört man auch nichts mehr.
Das Buch ZERO zeigt auch auf, wie der Mensch dann gesteuert wird wenn er Informationen preis gibt und wenn er wieder welche erhält.
Das Buch ist sehr spannend und auch wirklich erschreckend, wer weiß was wir jetzt schon alles über Smartphone, Instagram, Google, etc. wirklich alles preis geben.....


Frank Kaufmann

17.08.2017

Mann muss nicht alles elektronisch gesteuert haben. Was wir jetzt schon haben reicht. Werden doch alle nur noch fauler und bequemer.
Außerdem gibt es viel zu viele Hacker-Möglichkeiten, Überwachungen etc., sieht man doch schon bei denen, die Tag und Nacht ihren Laptop anlassen und sich wundern, warum Fotos von Ihnen im Internet auftauchen, wie sie im Bett liegen etc. Elektronik ob Smartphone, Fernseher und Co. haben im Schlafzimmer sowieso nichts verloren. Die Eltern sollten auch aus den Kinderzimmern bis zum 16. Lebensjahr auf jeden Fall Fernseher, Smartphone, Internet, etc. verbannen. Zu viele Kinder sind nachts ohne das die Eltern es peilen im Chat, surfen usw.
Außerdem, wer ein Smarthouse hat, kann man alles steuern, auch von außen...man kommt rein wenn es gehackt ist ohne das es einer weiß, man kann alles mögliche anstellen - also ich würde mich da nicht mehr sicher fühlen. Lieber mechanische Einbruchssicherheiten..da kann keiner rumfummeln.


AK

16.08.2017

Kommunikation per Funk heißt nicht per WLAN! Egal welche Systemlösung/Anbieter, die Geräte werden per Funk vernetzt. WLAN ist für die wenigsten Aktoren notwendig und Internet primär nur, um mobile Clouddaten, mobile Apps oder Push-Nachrichten zu nutzen. Beispielsweise funktionieren funkvernetzte Rauchmelder natürlich auch dann gemeinsam, wenn das Internet nicht (mehr) zur Verfügung steht.


Ortwin

16.08.2017

Ich als Elektrotechniker halte davon sehr wenig, denn alles wird mit Spannung betrieben und einer eigenen Software. Wie wir Wissen, brauchen die Firmen nur noch für 5-10Jahre garantieren für ihre Produkte. Das heißt, wenn die alten Geräte keine Software mehr erhalten oder wenn es keine Ersatzteile mehr gibt ist jeder wieder gezwungen umzurüsten. Zudem gibt es sehr viele Bürger, die mit so einer Technik nicht umgehen können, weil alles viel zu kompliziert wird.
Zudem muss diese Technik auch gegen aüßere Einwirkungen (Systemerneuerungen) durch Schadsoftware geschützt werden. Zudem muss man sich fragen, was zutun ist, wenn die Spannung ausfällt. Selbst da braucht man bei vielen Geräten immer schon einen Fachmann um es wieder hoch zufahren, das System. Zudem sind die Fixkosten nicht überschaubar, die in der Zukunft auf mich zukommen.


Volker Mühl

16.08.2017

Heute können Autos mit dem Laptop geknackt werden obwohl die Herstellers und erzählen das Auto wäre sicher! Jeden Tag gibt es Warnungen der Hersteller von Sicherheitssoftware für PCs. Die Anzahl der Kriminaldelikte mit Software steigt von Jahr zu Jahr. Nur die Industrie will uns weismachen, dass Smarthome sicher ist. Ich glaube denen kein Wort und werde weiter das notwendige nicht über ein WLAN Netz regeln.


JK

16.08.2017

Die Sicherheitslücken sind nicht zu unterschätzen. Wer mag kann ja mal das Buch Blackout lesen.


John Swiss

14.08.2017

Smart Home ist ganz toll. Man stelle sich vor, es gibt 20 smarte Geräte in der Wohnung. Bei jedem muss der WLan Schlüssel eingegeben werden.