Finanzfrage des Monats

Wie kann ich prüfen, ob Spendenorganisationen seriös sind? | 09.11.2020

Geld, das von Himmel fällt?

Spenden für den guten Zweck: Gerade in der Zeit rund um Weihnachten überweisen viele Geld auf das Konto einer Hilfsorganisation. Aber wie kann ich sichergehen, dass ich mein Geld einer seriösen Organisation spende? Damit setzt sich diesmal unsere Finanzfrage des Monats auseinander.

Besonders in den Wochen vor Weihnachten rufen Hilfsorganisationen zu Spenden auf. Doch: Wie kann ich prüfen, ob Spendenorganisationen seriös sind und ob mein Geld wirklich ankommt? Damit setzt sich diesmal unsere Finanzfrage des Monats auseinander. Die Antwort lautet: Bei der Orientierung können Gütesiegel helfen. Das wohl bekannteste Spendensiegel vergibt das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) nach sorgfältiger Prüfung.

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233 Organisationen führen DZI-Siegel

Geprüft und für vertrauenswürdig befunden: Zurzeit tragen 233 Organisationen das orange-grüne DZI-Spendensiegel, wie Burkhard Wilke, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter des DZI, berichtet. Die Zahl sei seit einigen Jahren „recht konstant um 230, mit zuletzt leicht steigender Tendenz, wobei jährlich jeweils etwa fünf Organisationen ausscheiden sowie fünf bis sieben neu hinzukommen“.

  • Übrigens: Das 1893 gegründete DZI ist eine gemeinnützige Stiftung des bürgerlichen Rechts und wird unter anderem vom Bundesfamilienministerium, dem Land Berlin und dem Deutschen Städtetag getragen. Es vergibt Gütesiegel an gemeinnützige Organisationen, die überregional Geld sammeln. Mitarbeiter des DZI prüfen jährlich, ob Spenden zweckgerichtet, wirtschaftlich und sparsam verwendet wurden. Das DZI veröffentlicht auch Auskünfte zu Hilfswerken ohne Siegel, darunter auch Warnungen.

Sieben Standards für Spendensiegel

Die Antragstellung ist freiwillig. „Die Initiative dazu geht immer von den Organisationen selbst aus“, sagt Wilke. Antragsberechtigt sind gemeinnützige, Spenden sammelnde Organisationen mit Jahreseinnahmen von mindestens 25.000 Euro. Sie bezahlen für die jährliche Spendensiegel-Prüfung eine Jahresgrundgebühr von 500 Euro und zusätzlich 0,035 Prozent ihrer Einnahmen als Zusatzgebühr.
 
Bevor eine Hilfsorganisation das Spendensiegel erhält, prüft ein Team des DZI, ob sie dafür überhaupt die Voraussetzungen erfüllt. „Die Ergebnisse der Prüfung werden in einem detaillierten, etwa zehn bis 15 Seiten langen Prüfungsbericht erläutert und der Organisation offengelegt“, so Wilke. Sieben Spendensiegel-Standards müssen erfüllt werden:

  • Sind Ziele und Tätigkeitsbereiche eindeutig und verständlich in der Satzung verankert?
  • Sind Leitung und Aufsicht wirksam aufgestellt und klar voneinander getrennt?
  • Sind Werbung und Öffentlichkeitsarbeit klar, eindeutig und überwiegend sachlich gestaltet?
  • Werden die Mittel sparsam, wirtschaftlich und wirksam eingesetzt?
  • Ist der Jahresabschluss aussagekräftig und unabhängig geprüft?
  • Sind die Gehälter angemessen?
  • Gibt es hinreichende Mindestinformationen im Jahresbericht sowie auf der Webseite?

Ob eine Hilfsorganisation über das DZI-Spendensiegel verfügt, lässt sich auf verschiedenen Wegen feststellen:

Einen Überblick über alle Organisationen mit Siegel bietet auch das Spendensiegel-Bulletin.

Weitere Siegel für gemeinnützige Organisationen

Neben dem DZI-Prädikat gibt es weitere Gütesiegel im Nonprofit-Bereich:

  • Das Unternehmen Phineo vergibt seit 2010 das sogenannte Wirkt-Siegel. Es gilt für gemeinnützige Projekte, die besonders effektiv dazu beizutragen, ein konkretes gesellschaftliches Problem zu lösen. Das untersucht Phineo mit einem wissenschaftlich fundierten Verfahren. Die Analyse ist an eine thematische Ausschreibung gekoppelt, die Phineo im Schnitt einmal pro Jahr zu wechselnden Themen durchführt. Die Teilnahme am Ausschreibeverfahren und die Analyse sind kostenlos. Jedes Projekt wird nur einmal untersucht, es finden keine erneuten Prüfungen zur Verlängerung der Gültigkeit des Siegels statt.
  • Fundraising-Organisationen können auch vom TÜV Thüringen ein Siegel erhalten. Ein Team prüft die Effizienz interner Arbeitsabläufe beim Fundraising, also bei der Spendengewinnung. Das Siegel hat eher einen betriebswirtschaftlichen Charakter. Mit einem Qualitätszertifikat des TÜV Thüringen hat eine Organisation den Nachweis, dass sie mit den Spenden und Daten der Spender sorgsam und effizient umgeht. Das Verfahren ist für Organisationen kostenpflichtig.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (10)


Kommentare

Dieter

22.11.2020

Auch ich schließe mich der Meinung von Rosemarie voll und ganz an. Wenn ich spende möchte ich, dass das Geld für den Zweck eingesetzt wird, für den es von den jeweiligen Organisationen eingesammelt wird und nicht in Form von Werbematerial, Hochglanzprospekten und vorausgefüllten Überweisungsträgern zumindest zum Teil an mich zurückfließt. Ein weiteres Ärgernis stellt für mich dar, dass ständig von weiteren Organisationen Briefe mit Bitten um Spenden - meist auch schon gefüllt mit Adress- oder Wünscheaufklebern - eintreffen. Findet da trotz DSGV ein reger Adressenhandel statt? Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass derartige Fälle eher stark zu- statt abgenommen haben.


Siggi

20.11.2020

Ich schließe mich der Meinung von Rosemarie voll an. Wenn ich spende, möchte ich dafür kein Geschenk bekommen und mit den vielen Briefen und Überweisungsformularen bombardiert werden. Dass die Organisationen für das DZI-Siegel auch noch viel Geld bezahlen müssen, finde ich erbärmlich.


Kristina G.

20.11.2020

Ich arbeite selbst als Finanzleitung einer regionalen, gemeinnützigen Organisation. Wir haben für uns diverse Spendensiegel geprüft. Diese bringen meist horrende Kosten für eine Organisation mit sich, welche wir uns 1. nicht leisten können und 2., welche wir vor unseren Spender_innen und Förder_innen nicht vertreten können. Die Spendensiegel können sich meist nur die "großen" Organisationen leisten. Möchte die ING DiBa nur große Wohlfahrtsverbände unterstützen?


Dieter 2

18.11.2020

Mit den Zertifikaten für diese Hilfsorganisationen ist es wie mit den inzwischen mehr als 250 Siegeln für angeblich grüne Produkte: viele darf man sich selbst zu teilen.
Und wie schlecht die vielen angeblich so tollen Spendenorganisation mit den Spendengeldern umgehen, kann man z.B. auf littlesmile in den inzwischen mehr als 20 Jahre laufenden Beiträgen des ehemaligen bayrischen Journalisten Michael Kreitmeyer nachlesen und erschüttert sein.
Auch ich spende deshalb nur noch an lokale Vereine, wo ich das Ergebnis sehe und anfassen kann.


venti

16.11.2020

Die meisten gemeinnützigen Organisationen sind eingetragene Vereine (e. V.). Spenden an diese können von der Steuer abgesetzt werden, solange die Finanzbehörde die Gemeinnützigkeit der Organisation akzeptiert.


Heiko

16.11.2020

Ich finde das DZI-Siegel selbst schon unseriös. 500 Euro Jahresgrundgebühr und zusätzlich 0,035 Prozent ihrer Einnahmen als Zusatzgebühr, das sind Spendengelder, die weg sind! Ich spende lokal vor Ort bei Oranisationen, wo man selbst nachsehen kann, was mit dem Geld gemacht wird.


Realist

16.11.2020

Nach dem Tsunami baute Mitte 2005 eine bekannte deutsche Hilfsorganisation auf Sri Lanke 10 km vom Meer entfernt (!) in einem Gebiet mit bösen Geistern (!) heillos überteuert Hütten in extrem mieser Qualität für dortige Fischer.
Durch die Lage blieben die Hütten ungenutzt und verfielen bereits im Sommer 2006. So mancher Tourist hat sich das im Sommer 2006 zwischen Galle und Beruwela/Bentota angeschaut. Nur ein Beispiel.


Christine Gediga

16.11.2020

Ein Spendensiegel habt ihr noch vergessen: Das Siegel der Initiative Transparente Zivilgesellschaft (ITZ, https://www.transparency.de/mitmachen/initiative-transparente-zivilgesellschaft/?L=0). Dieses Siegel ist im Gegensatz zu den von euch genannten kostenlos. Die Organisation unterschreibt eine Selbsterklärung und stellt ihren Jahresbericht, Gremien, Personalstruktur, Herkunft und Verwendung der Spenden etc. auf eine Extra-Seite ihrer Homepage. Ob die Angaben stimmen überprüft Transparency International Deutschland (https://www.transparency.de) und vergibt das Siegel.
Eine weitere, ganz einfache Art zu überprüfen, ob die Spende auch ankommt, ist, bei regionalen Vereinen einfach mal vorbeizugehen. Seriöse Organisationen freuen sich, wenn Spender*innen Interesse für ihre Arbeit zeigen.


Rosemarie

15.11.2020

Viele Vereine geben einen Großteil der erhaltenen Spenden für Werbung aus anstatt das Geld für die sozialen Projekte einzusetzen, für die von gutgläubigen Menschen gespendet wird. Wenn ich Werbung mit mehrseitigen farbigen Hochglanz-Prospekten, mit beigefügten "Geschenken" wie Postkarten oder Kugelschreibern bekomme, landen diese sofort im Mülleimer. Gute Werbung für soziale Zwecke ist auch fast kostenlos mit Emails möglich. Kein Spender, dem der Zweck der Aktion wichtig ist erwartet irgendwelche Geschenke... das ist eher lästig und meistens minderwertiger Mist, den niemand braucht. Die Ausgaben dafür fehlen dann aber bei den Projekten, für die gespendet wurde. Vom Porto für die Versendungen dieses Krimskrams mal ganz abgesehen.


Thomas

13.11.2020

Im Spendensiegel-Bulletin sind auch Organisationen aufgelistet, mit denen ich auch schon negative Erfahrungen gemacht habe. Da bleibt also die Frage, wer vergibt das Siegel. Eigentlich sind die Spenden (egal ob finanziell oder als Sachspenden) zu empfehlen, bei denen man weiß, dass sie z.B. durch kirchliche Überbringer direkt dort landen, wo sie benötigt werden, also durch direkte Kontakte. Spenden, die bis zu 95% von den Organisationen geschluckt werden, um sie selbst zu finanzieren sind eigentlich abzulehnen. Und von denen ist das Bulletin gespickt. Deshalb ist es immer gut, sich genau zu orientieren!!!!!