Handyrechnung

Schluss mit Abofallen!

Sich unbemerkt ein Abo einzuheimsen, geht manchmal schneller als man denkt – trotz einer neuen Regelung. Doch Verbraucher können sich wehren.

Gerade noch hat man gedankenlos mit dem Handy gespielt und schon ist man in eine Falle getappt: „Oft reicht ein unbedachtes oder versehentliches Antippen eines Werbebanners aus, um in einer Abofalle zu landen“, sagt Annabel Oelmann, Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen. Eine neue Regelung sollte dem Spiel der Betrüger ein Ende machen, doch noch immer finden sie Grauzonen. Alles, was Verbraucher dazu wissen müssen.

Die Sache mit den Drittanbietern

Ob kostenpflichtige E-Books, Computerspiele oder sonstige Abos: Dienste von Drittanbietern werden zwar über Dritte angeboten, aber über die Handyrechnung des Providers abgerechnet. Das Problem daran: Oft stecken unbeabsichtigt Einkäufe dahinter. Das ungewollte Abo bemerken viele erst später – dann, wenn auf der Handyrechnung plötzlich ein höherer Betrag als sonst erscheint.

Über Mobilfunk-Kunden, die falsche oder zu hohe Rechnungen für Drittanbieterleistungen bekommen haben, hatte die Stiftung Warentest schon in der Vergangenheit berichtet – und jüngst bilanzierte sie zu den Abofallen erneut: „Sie können es nicht lassen. Für Mobilfunkfirmen ist das Abrechnen von Drittanbieter-Leistungen und ‚Mehrwertdiensten‘ per Handy offenbar so attraktiv, dass sie weiterhin Grauzonen ausnutzen, um zu verdienen – und dabei auch gegen geltendes Recht verstoßen.“

Regelung soll Abofallen verhindern

Um Verbraucher vor bösen Überraschungen zu schützen, hatte die Bundesnetzagentur neue Vorgaben festgelegt: Seit dem 1. Februar 2020 müssen Provider beim Abschluss eines Abos das sogenannte Redirect-Verfahren einsetzen. Das Ganze funktioniert wie eine Umleitung: Kauft der Nutzer etwas, wird er von der Drittanbieterseite zu einer Bezahlseite seines Mobilfunkanbieters geleitet. Hier muss er laut Bundesnetzagentur den Kauf aktiv bestätigen, indem er etwa auf Buttons wie „kaufen“ oder „zahlungspflichtig bestellen“ klickt. Für Einzelkäufe sind der Stiftung zufolge auch andere Verfahren erlaubt.

Lückenhafter Schutz

Nach Angaben der Stiftung Warentest ist der Schutz durch die neue Regelung jedoch lückenhaft. Zwar dürfen die Mobilfunkanbieter nach Vorgabe der Bundesnetzagentur die Kunden nicht abwimmeln und müssen Beiträge bis zu 50 Euro unbürokratisch erstatten. Das gilt allerdings nur, wenn das Redirect-Verfahren beim Bezahlen nicht angewandt wurde oder sich die Kunden nicht vorher beim Drittanbieter mit einem Benutzernamen registriert hatten.

Tipp: Alle wichtigen Fragen zu Drittanbietern werden hier von der Bundesnetzagentur beantwortet.

In eine Abofalle getappt: Was jetzt zu tun ist

Wer trotz der Regelung dubiose Zahlungen auf seiner Handyrechnung entdeckt, sollte nicht zu lange warten: Kunden haben in der Regel acht Wochen Zeit, um unklare Rechnungsposten zu beanstanden. Dabei sollten sie laut Verbraucherzentrale wie folgt vorgehen:

  1. Den Abo-Betreiber ausfindig machen: Oft findet sich ein Kontakt auf der Rechnung.
  2. Das Abo stoppen und Beträge beim Abo-Betreiber zurückfordern: Beide Schritte können gleichzeitig per Musterbrief erfolgen.
  3. Zahlungen vom Mobilfunkanbieter zurückfordern: Beträge sollten nicht nur vom Drittanbieter, sondern gleichzeitig auch vom Provider per Musterbrief zurückgefordert werden.

Weitere Informationen dazu finden Sie auch bei der Stiftung Warentest.

Und was, wenn ein Mahnverfahren ins Haus flattert? „Wenn Verbraucherinnen und Verbraucher in eine Abofalle getappt sind, sollten Sie erst einmal Ruhe bewahren und sich nicht von Rechnungen und Mahnungen unter Druck setzen lassen“, sagt Verbraucherschützerin Oelmann. Die Devise lautet: Nicht einschüchtern lassen!

Zusätzliche Ratschläge der Stiftung Warentest:

  • Mobilfunkanbieter: Die Provider müssen nach einer Reklamation von unrechtmäßig abgebuchten Beträgen das Geld bei der nächsten Handyrechnung gutschreiben. Passiert das nicht, haken Sie nach.
  • Bank: Sollte der Anbieter der Gutschrift innerhalb von zwei Wochen nicht zustimmen, überweise Sie bei ihrer nächsten Handyrechnung nur die Telefonkosten, sodass die Bank sich das Geld vom Anbieter holt.
  • Anrufe: Kommunizieren Sie immer schriftlich. Anrufe bringen in der Regel nicht viel.
  • Anzeige: Zeigen Sie den Anbieter der „Leistung“, die Sie nicht bestellt haben, wegen Betrugs bei der Polizei an.
  • Beschwerde: Beschweren Sie sich bei der Bundesnetzagentur (hier).
  • Sperre: Ihre Mobilfunkfirma ist verpflichtet, eine Drittanbietersperre einzurichten, wenn Sie dies online, per E-Mail oder telefonisch verlangen.
Autor: ING