Altersvorsorge für Frauen
Warum haben Frauen oft eine größere Rentenlücke? Wie wirken sich Elternzeit, Teilzeitarbeit oder Erwerbsunterbrechungen auf die Rente aus? Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um Altersvorsorge, Vermögensaufbau und finanzielle Unabhängigkeit für Frauen.
Altersvorsorge für Frauen: Das Wichtigste auf einen Blick
- Frauen erhalten im Alter häufig eine niedrigere Rente als Männer, unter anderem wegen Teilzeit, Elternzeit und Familienphasen.
- Die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern liegt bei rund 36%.
- Kindererziehungs- und Pflegezeiten können die gesetzliche Rente erhöhen und sollten im Rentenkonto geprüft werden.
- Für die staatliche Förderung des neuen Altersvorsorgedepots reicht schon ein Eigenbeitrag von 10 Euro monatlich bzw. 120 Euro pro Jahr.
- On top gibt es beim Altersvorsorgedepot Kinderzulagen und die Förderung für Ehe- oder eingetragene Lebenspartner*innen.
- Teilzeitbeschäftigte können genauso von der Förderung profitieren wie Vollzeitbeschäftigte.
- Sie können Ihre Sparrate flexibel anpassen, erhöht oder vorübergehend ausgesetzen.
- Der erste Schritt zur Schließung der Rentenlücke ist die Berechnung der eigenen Versorgungslücke. Mit Hilfe eines Rentenlückenrechners lässt sich diese schnell und einfach ermitteln.
ING Podcast: Frauen & Finanzen - Folge 6
Über Frauen und Finanzen gibt es einige Vorurteile. Aylo und Katrin haben sich zusammengesetzt, um das Thema zu beleuchten und kommen zu überraschenden Erkenntnissen: Welches Land führt den Gender Equality Index an? Seit wie vielen Jahren können Frauen ein eigenes Bankkonto eröffnen? Wie viel Geld sollte man mit 24 haben, um eine Frau zu bekommen? Und was können wir tun, um noch mehr equal zu sein?
Wie können Frauen fürs Alter vorsorgen? Die wichtigsten Antworten zu Rentenlücke, Förderung und Altersvorsorge
Wann sollte ich als Frau mit der Altersvorsorge beginnen?
Am besten so früh wie möglich. Je länger das Geld angelegt bleibt, desto mehr Zeit haben mögliche Erträge und der Zinseszinseffekt, um sich zu entfalten. Selbst kleinere Beträge können so einen wichtigen Beitrag leisten.
Wenn Sie vor dem 25. Geburtstag einen Altersvorsorgevertrag abschließen, erhalten Sie zudem einen einmaligen Berufseinsteigerbonus von 200 Euro, wenn Sie förderberechtigt sind. Aber auch später ist es nicht zu spät. Jedes Jahr mit Förderung zählt und gerade nach der Familienphase oder einem Jobwechsel kann es sinnvoll sein, der Altersvorsorge wieder größere Aufmerksamkeit zu widmen.
Welche Altersvorsorge ist für Frauen am sinnvollsten?
Die eine Lösung, die für alle passt, gibt es nicht. Meist ist eine Kombination aus gesetzlicher Rente, betrieblicher Altersvorsorge und privater Vorsorge (3 Säulen) sinnvoll. Welche Bausteine dafür infrage kommen, hängt unter anderem vom Ihrem Einkommen, Ihrer persönlichen Rentenlücke, der familiären Situation, dem bis zur Rente zur Verfügung stehenden Anlagezeitraum und Ihrer persönlichen Risikobereitschaft ab. Wichtig ist vor allem, die Altersvorsorge nicht allein vom Partner oder der Partnerin abhängig zu machen. Ein eigener Vertrag oder ein eigenes Depot kann dazu beitragen, unabhängig Vermögen für den Ruhestand aufzubauen.
Welche Vorteile bietet das Altersvorsorgedepot speziell für Frauen?
Vor allem die Kombination aus Förderung und Flexibilität. Die Zulagen sind unabhängig vom Einkommen gleich hoch. Kleine und mittlere Beiträge werden sogar besonders stark gefördert (50 Cent pro Euro bis zu einem Eigenbeitrag von 360 Euro). Wer während der Elternzeit oder in Teilzeit weniger einzahlen kann, kann den Vertrag einfach ruhen lassen und später wieder aufstocken, ohne ihn zu verlieren. Über die Kinderzulage lässt sich die eigene Vorsorge während der Familienphase zusätzlich stärken. Allerdings gibt es beim Altersvorsorgedepot keine Kapitalgarantie und das Geld ist grundsätzlich für den Ruhestand gebunden.
Kann ich trotz einer geringen Sparrate von der Förderung profitieren?
Ja, gerade bei kleineren Beiträgen fällt die Förderquote vergleichsweise hoch aus. Für die Grundzulage reicht ein Mindesteigenbeitrag von 120 Euro im Jahr, also 10 Euro pro Monat. Die ersten 360 Euro Eigenbeitrag werden mit 50 Cent pro eingezahltem Euro gefördert. Für Beiträge zwischen 361 und 1.800 Euro sinkt der Fördersatz auf 25 Cent pro Euro. Wenn Sie also nur kleine Beträge zurücklegen können, bekommen Sie dafür die höchste staatliche Unterstützung.
Für Familien kann zusätzlich die Kinderzulage hinzukommen. Dabei legt der Staat für jeden eingezahlten Euro einen weiteren Euro dazu – bis zu 300 Euro pro Jahr und Kind. Die volle Kinderzulage wird bereits mit einer Sparrate von 25 Euro im Monat erreicht.
Altersvorsorgedepot oder ETF-Sparplan für Frauen?
Beide Anlageformen investieren am Kapitalmarkt, setzen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte. Das Altersvorsorgedepot wird mit Zulagen und möglichen Steuervorteilen gefördert. Die Auswahl der Anlagen ist jedoch gesetzlich begrenzt und das Geld steht grundsätzlich erst im Ruhestand zur Verfügung.
Ein normaler ETF-Sparplan erhält dagegen keine Altersvorsorgeförderung. Dafür bleibt das Vermögen jederzeit verfügbar.
Welcher Weg besser für Sie passt, hängt also davon ab, ob Ihnen die staatliche Förderung oder die Flexibilität wichtiger ist. Auch eine Kombination kann sinnvoll sein.
Altersvorsorgedepot oder private Rentenversicherung für Frauen?
Beim Altersvorsorgedepot steht der geförderte und langfristige Vermögensaufbau am Kapitalmarkt im Mittelpunkt. Es gibt zwar keine Kapitalgarantie, dafür aber höhere Renditechancen und je nach Anbieter die Wahl zwischen einem Auszahlungsplan und einer lebenslangen Rente.
Bei einer privaten Rentenversicherung wird das Geld angelegt und später meist als lebenslange monatliche Rente ausgezahlt. Je nach Vertrag sind hier auch Garantien oder eine Kapitalauszahlung möglich. Dafür fallen in der Regel Abschluss-, Verwaltungs- und Anlagekosten an.