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Value und Growth

Was Anleger über beide Strategien wissen sollten

Ein Patentrezept, um mit Aktien satte Renditen zu erwirtschaften, gibt es nicht. Doch viele Anleger versuchen es mit einer bestimmten Vorgehensweise. Zu den Klassikern zählen dabei die Value-Strategie und die Growth-Strategie. Wir stellen beide vor.

In Aktien investieren ist nicht gleich in Aktien investieren. Es gibt gegensätzliche Anlagestile wie die Value-Strategie einerseits und die Growth-Strategie andererseits. Untersuchungen belegen, dass beide bei einem langfristigen Investment zu attraktiven Gewinnen führen können. Doch was in der Vergangenheit erfolgreich war, muss nicht unbedingt in der Zukunft ebenso ablaufen. „Eine Garantie für hohe Renditen gibt es bei Aktien grundsätzlich nicht“, stellt Daniel Bauer, Vorstandsvorsitzender der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger mit Sitz in München, klar.

Value-Strategie

Das englische Wort „value“ heißt übersetzt „Wert“. Kerngedanke dieser Strategie ist, dass es an der Börse Unternehmen gibt, deren wahre Werte noch weitgehend unbekannt und die an der Börse unterbewertet sind. Der Value-Investor versucht nun, solche Unternehmen oder Gesellschaften auszuloten. Oft weisen sie neben einer stabilen Gewinnentwicklung und einer überdurchschnittlichen Profitabilität eine gute Marktposition aus. Der Anleger betrachtet diese Value-Aktien und sucht unter ihnen solche, die nach seinem Dafürhalten derzeit an der Börse im Vergleich zu anderen Unternehmen unterbewertet sind. Diese Aktien kauft er. „Dabei spekuliert er darauf, dass der Markt auf kurz oder lang den Wert des jeweiligen Unternehmens erkennt und er sich verbessert“, erläutert Bauer. Auf diese Weise kann der Anleger womöglich einen Gewinn erzielen.

Der Check:

  • Mit der Value-Strategie ließen sich in den zurückliegenden Jahrzehnten immer wieder hohe Renditen einstreichen. Eine Garantie für die Zukunft ist das aber nicht.
  • Das Herausfiltern von geeigneten Value-Aktien ist nicht einfach. Anleger benötigen neben Fachwissen auch ein gebündeltes Maß an Erfahrung. Außerdem ist eine sorgfältige Recherche erforderlich, die mitunter äußerst zeitintensiv ist.
  • Ein Vorteil: Unternehmen, die in Sachen Value-Aktien infrage kommen, zahlen oft eine gute Dividende, also einen Anteil am Bilanzgewinn, teils auch mehrfach im Jahr. „Das sichert den Aktionären auch ein laufendes passives Einkommen“, sagt Bauer.

Growth-Strategie

„Growth“ – das englische Wort für „Wachstum“. Bei der Growth-Strategie haben Anleger weniger Einzelunternehmen im Blick, sondern sie betrachten ganze Branchen. Der Growth-Investor will so früh wie möglich Wachstumsmärkte der Zukunft – zum Beispiel die Biotech-Branche – ausmachen und wählt dann Unternehmen mit der aus seiner Sicht höchsten Wachstumsdynamik aus. Häufig handelt es sich hierbei um Unternehmen oder Gesellschaften, die an einem boomenden Markt bereits größere Anteile haben und vergleichsweise groß aufgestellt sind. Anders als bei Value-Aktien, bei denen Anleger ihre Entscheidungen auf Basis bewährter Geschäftsmodelle treffen, entscheidet der Growth-Investor auf der Grundlage von Erwartungen: Er erwartet, dass es mit dem Aktienkurs nach oben geht.

Der Check:

  • Bei der Growth-Strategie waren in der Vergangenheit höhere Gewinne realisierbar als bei der Value-Strategie. Allerdings gehen Growth-Aktien auch mit deutlich höheren Risiken einher. Liegt das tatsächliche Wachstum unter den Erwartungen, drohen oft hohe Kursverluste.
  • Bei der Growth-Strategie können Anleger Gewinne mit Aktien erwirtschaften, deren Unternehmen noch in den roten Zahlen steckt. Erfüllt ein Unternehmen nicht die Wachstumserwartungen eines Anlegers, sollte dieser die Aktien auch schnell wieder abstoßen, um Verluste zu vermeiden.
  • Auch bei der Growth-Strategie sollten sich Anleger mit Aktienmärkten gut auskennen und Fachwissen mitbringen – für Börsen-Einsteiger ist die Growth-Strategie daher nicht geeignet.

Was nun – die Growth- oder die Value-Strategie?

„Eine Option kann sein, beide Ansätze miteinander zu kombinieren“, sagt Bauer. Nicht selten vermischen sich ohnehin beide Anlagestrategien. So kann es vorkommen, dass eine Growth-Aktie sich zu einem Value-Titel entwickelt. Und ein einmal bewährtes Geschäftsmodell kann durch Veränderungen neues Wachstum auslösen – so wird aus dem Value-Titel eine Growth-Aktie.

Übrigens: Wer in einen aktiv gemanagten Fonds investiert, für den entscheidet der Fondsmanager, ob er auf Growth- oder Value-Aktien setzt. Für den Anleger geht dies allerdings mit höheren Kosten einher, da der Fondsmanager sich um zeitaufwändige Analysearbeiten kümmert, um den Fonds auf Erfolgskurs zu bringen. Aber auch hier gilt: Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht.

Achtung: Bei Wertpapieren gibt es immer auch Risiken, alle Infos dazu finden Sie hier.

Autor: ING