Übernahmen an der Börse: So können Sie dabei sein

Vielversprechende Kandidatensuche

Eine Analyse des DUP UNTERNEHMER-Magazins, Kai Makus | Werbemitteilung

20 bis 30 Prozent – so hoch etwa seien die Kursgewinne, die Aktionärinnen und Aktionäre bei Übernahmen „ihres“ Unternehmens durch ein anderes einstreichen könnten. Das schrieb die Autorin Ingrid Lehnert schon 1997 in ihrer Dissertation – und diese Faustregel findet bis heute Anwendung. Denn wer etwas unbedingt haben möchte, der ist bereit, tief in die Tasche zu greifen. Das ist im „Big Business“ nicht anders als im Privaten. Dabei gibt es an der Börse eine ganze Reihe von Übernahmekandidaten, mit denen Anlegende mit entsprechendem Risikoappetit auf ein kräftiges Aufgeld auf die aktuellen Notierungen spekulieren könnten.

Voraussetzung für solche Gewinne: Der Deal muss klappen. Sonst gibt es für Spekulierende womöglich ein böses Erwachen, wie es derzeit bei Twitter in der Luft liegt. Erst jubelten die Börsen, als Tesla-Chef Elon Musk ankündigte, den Kurznachrichten-Dienst kaufen zu wollen. Er bot den Beteiligten 54,20 US-Dollar je Aktie – gegenüber dem zuletzt notierten Schlusskurs ein Aufgeld von 38 Prozent. Dann jedoch ruderte der umtriebige Unternehmer Stück um Stück zurück. Erst bezweifelte er, dass Twitter tatsächlich so viele aktive Nutzer habe wie angegeben. Dann brachte er einen niedrigeren Kaufpreis ins Spiel. Und dazu erklärte er, Tesla sei „24/7 on my mind“, mit der Twitter-Akquisition beschäftige er sich weniger als fünf Prozent seiner Zeit, schließlich sei das keine Raketenwissenschaft. Kleine Fußnote: Der Großteil dieser Kommunikation erfolgte über Twitter – mit maximal 280 Zeichen je Nachricht.

Pflicht-Angebot?

Es gibt interessantere Unternehmen für eine Übernahme-Spekulation, vor allem, wenn nicht nur ein – eher ambivalenter – Geschäftsmann als Käufer in Frage kommt. Seit Jahren etwa ist der Schweizer Spezialchemiekonzern Clariant sowohl als Käufer wie auch als Verkäufer aktiv. Großaktionär ist mittlerweile die saudi-arabische Holding Sabic, die 31,5 Prozent an Clariant hält. Erreicht die Beteiligung ein Drittel der Anteile, muss sie den verbleibenden Aktionären ein Übernahmeangebot machen. Dies könnte nach dem 24. Juni der Fall sein, wenn eine langjährige Vereinbarung ausläuft und der Weg für eine vollständige Akquisition frei wird. Allerdings: Theoretisch könnte Sabic sich auch zurückziehen. In jedem Fall bewegt die Hoffnung auf ein entsprechendes Angebot schon jetzt den Clariant-Kurs. Anlegerinnen und Anleger sollten stets berücksichtigen, dass Aktien, die in Fremdwährungen notieren, neben dem allgemeinen Kursrisiko auch ein Wechselkursrisiko aufweisen.

Seit vielen Jahren wird zum Beispiel Apple großer Appetit auf den Onlinedienst Dropbox nachgesagt. Doch bislang kam es nicht zu einem Angebot. Manchmal sind es nur Gerüchte, welche die Kurse einzelner Aktien beflügeln. Aber: Dropbox, Erfinder des Live-Filesharing, macht Gewinn und wächst kontinuierlich. Allerdings sind die Kalifornier hoch verschuldet. Gegen eine Übernahme spricht der hohe Anteil freier Aktionäre, also der sogenannte Freefloat, der bei fast 93 Prozent liegt. Das bedeutet: Ein Interessent müsste tiefer in die Tasche greifen, um möglichst viele Aktionärinnen und Aktionäre davon zu überzeugen, dass ein Verkauf sinnvoll wäre. Bleibt nur noch, nach Konzernen Ausschau zu halten, die eine prall gefüllte Kriegskasse haben und zu denen Dropbox hervorragend passen könnte. Und da gäbe es einige: Alphabet, Amazon, Apple, Microsoft, Salesforce…

Alles automatisch

Der amerikanische Hersteller von Haushaltsgeräten iRobot befindet sich in einer schwierigen Lage. Der Absatz lahmt, vor allem in Europa, aber auch in Afrika und im Nahen Osten. So lag der Umsatz im ersten Quartal deutlich unter den Erwartungen von Analystinnen und Analysten. Kein Wunder, dass das Management auch die Aussichten fürs Gesamtjahr zurückschraubte. Wer sollte in dieser Situation eine Übernahme planen? Immerhin: Wenn die Kurse purzeln, wird ein Kauf günstiger. Und ein strategischer Investor könnte durchaus Interesse daran haben, einen technologischen Marktführer wie iRobot mit selbstfahrenden Staubsaugern in seinen Konzern zu integrieren. Derzeit könnten in diesem Fall vor allem asiatische Holdings in Betracht kommen, etwa Samsung oder auch die chinesische Midea, die sich vor sechs Jahren den deutschen Roboterbauer Kuka einverleibte.

Aus Santa Barbara in Kalifornien kommen nach Meinung vieler audiophiler Menschen die besten Lautsprecher der Welt. Seit 20 Jahren baut das Unternehmen Sonos dort Sound-Systeme, die durch ihre Klangfülle und durch ihre Vernetzungsmöglichkeiten die Konsumierenden überzeugen. Die Nachfrage nach Sonos-Produkten ist anhaltend hoch, und die Zahlen fürs abgelaufene zweite Geschäftsquartal haben auch Analystinnen und Analysten überzeugt. Doch: Der Markt scheint schwieriger zu werden. Bisher hat Sonos vor allem mit Kooperationen – etwa mit Amazon, Ikea oder Apple – für starke Verkäufe gesorgt. Jetzt wollen die Amerikaner sich immer stärker in die Heime der Sonos-Nutzenden integrieren. Das möchten auch die Großen der Unterhaltungsbranche. Bei diesem Gedankengang würde Sonos etwa bei Amazon (Streaming-Dienst Amazon Prime) oder Google gut ins Portfolio passen.

Offen für Offerten

Während bei manchen Unternehmen noch halblaut gemunkelt wird, kocht die Gerüchteküche bei anderen schon recht hoch. Das gilt zum Beispiel für Ubisoft, mit rund 18.000 Mitarbeitenden und einem Umsatz von 2,125 Milliarden Euro Europas größten Videospielentwickler. Angeblich machen sich die Franzosen seit Monaten hübsch für einen auswärtigen Interessenten. Als eine Möglichkeit gilt ein Finanzinvestor wie Blackstone oder Kohlberg Kravis Roberts (KKR). Und wenn die Mitgift stimmt, dürfte sich Ubisoft bereitwillig in die Arme des Bräutigams werfen, schließlich hat CEO Yves Guillemot bereits öffentlich erklärt, er suche zwar nicht aktiv nach potenziellen Käufern, stehe jedoch Angeboten grundsätzlich offen gegenüber. Da die Ubisoft-Titel zudem nicht besonders hoch bewertet sind (geschätztes Kurs-Gewinn-Verhältnis 2024: unter 20), könnte es durchaus in den nächsten Monaten zumindest zu offiziellen Gesprächen kommen. Da Vorstand und Aufsichtsrat weitgehend in der Hand der Familie Guillemot sind, dürfte von dieser Seite Zustimmung zu erwarten sein.

Für beteiligte Aktionärinnen und Aktionäre bleiben in solchen Fällen nur zwei Fragen: Annehmen? Und falls ja – wann? Darauf hat eine Analyse der Verbraucherzentrale für Kapitalanleger e. V. (VZfK) eine klare Antwort: So lange wie möglich warten. Denn bei einem Squeeze-out, also dem Zwangsverkauf durch verbleibende Minderheitsinvestierte, fällt der Erlös demnach um durchschnittlich sechs Prozent höher aus als beim schnellen Zugreifen. Aber auch da wäre wieder eine gehörige Portion Spekulation im Spiel.

Investment-Beispiele Aktien:

Name Aktueller Kurs KGV*(2022) Gewinn/Aktie (2022**) Dividende (2022**) Dividendenrendite (2022**)
Clariant 17,86 € 17,4 1,03 € 0,42 € 2,4 %
Dropbox 19,49 € 25,0 0,78 € 0,00 € 0,0 %
iRobot 44,67 € Verlust Verlust 0,00 € 0,0 %
Sonos*** 20,81 € 19,4 1,06 € 0,00 € 0,0 %
Ubisoft**** 49,06 € 24,5 1,97 € 0,00 € 0,0 %

*KGV: Kurs-Gewinn-Verhältnis; ** Prognose; *** Geschäftsjahresende 2.10.; **** Geschäftsjahresende 31.3.; Fremdwährungen umgerechnet in Euro; Stand: 01.06.2022

Autor: Kai Makus
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