Urlaubspause, auch fürs Depot?

Keine Angst vor Sommergewittern!

Die Urlaubszeit naht und mehr denn je wollen wohl alle die freien Tage nutzen, um auszuspannen, abzuschalten, die Seele baumeln zu lassen und den Akku wieder aufzuladen. Richtig entspannen kann, wer im Vorfeld einige Vorkehrungen getroffen hat. Dazu zählt nicht nur die Versorgung der Pflanzen und daheimgebliebener tierischer Familienmitglieder. Auch mit Blick auf das Depot ist die Frage zu klären, ob und wie man sich gegen überraschende Sommergewitter an den Finanzmärkten schützen sollte.

„Sell in May“ mutet anachronistisch an

Für Anlegerinnen und Anleger, die der Börsenweisheit „Sell in May and go away, but remember to come back in September!” gefolgt sind, stellt sich die Frage nicht. Schließlich besagt die Regel, dass man im Mai Aktien verkaufen sollte, um dann im September wieder in den Markt einzusteigen. Ihren Ursprung hat die Börsenweisheit in der Angewohnheit englischer Adeliger, Kaufleute und Banker, die schon im vergangenen Jahrhundert der sommerlichen Hitze in London entflohen und auf ihren Landsitzen Abkühlung und Erholung fernab der Metropole suchten. In der Abwesenheit dieser wichtigen Marktteilnehmer vermutete man zugleich den Grund für die in den Sommermonaten oftmals geringeren Umsätze und mitunter schwächere Kursentwicklung an den Börsen.

Doch ist der Ratschlag von einst noch zeitgemäß? Anders als damals lassen sich die Märkte und das Depot im 21. Jahrhundert dank Smartphone und komfortabler Apps wie „ING Banking to go“ jederzeit im Blick behalten. Mit wenigen Klicks kann auf marktbewegende Ereignisse zeitnah reagiert werden – auch im Urlaub, so man denn will. Die fehlende Verbindung zur Börse ist heutzutage jedenfalls kein Grund mehr, um auf Nummer sicherzugehen und vor den Ferien auf den Verkaufsknopf zu drücken.

Sommergewitter sind möglich, aber nicht gewiss

Vergleichsweise geringe Umsätze lassen sich indes auch heute noch in den Sommermonaten beobachten. Da die Kursentwicklungen auf dem Wechselspiel zwischen Angebot und Nachfrage beruhen, kann es passieren, dass ein größerer Verkaufsauftrag bei nur geringem Kaufinteresse zu stärkeren Kursabschlägen als gewöhnlich führt. Die Monate August und September gelten als besonders anfällig für solche Sommergewitter. Dies zeigt beispielhaft der Blick auf den DAX. Von 1988 bis 2020 belief sich die durchschnittliche Performance des Leitindex für den deutschen Aktienmarkt im August bzw. September auf jeweils rund -2,0 %. Allerdings sollte beim Umgang mit diesen Daten berücksichtigt werden, dass es sich hierbei nur um statistische Durchschnittswerte handelt, aus denen sich keine Indikation für künftige Entwicklungen ableiten lässt. Zudem können schon einzelne Ereignisse, die zu großen Kursrückgängen führen, die Statistik schnell verändern. Einen Beleg dafür liefert die Tatsache, dass der DAX im Zeitraum von 1988 bis 2020 den Monat August in 16 Jahren mit einem Plus und in 17 Jahren mit einem Minus abgeschlossen hat. Den 19 Jahren, in denen der Index den September mit roten Vorzeichen abschloss standen, immerhin 14 Jahre mit grünen Vorzeichen gegenüber.

Stopps schützen und sichern

Ob man sich vor einem Sommergewitter an den Märkten schützt, muss auch im Hinblick auf den verfolgten Anlagestil und das Anlageziel gesehen werden. So ist es für kurzfristig agierende Traderinnen und Trader aus Gesichtspunkten der Risikobegrenzung immer ratsam, bestehende Positionen mit einer Stop-Loss-Order gegen größere Verluste abzusichern. Ebenso nützlich ist ein Trailing Stop, der der Kursentwicklung um einen vorher festgelegten Prozentsatz oder EUR-Betrag nachläuft. Sollte es beispielsweise in den Sommermonaten zu einer Korrektur kommen und die Kursnotierung die Stoppmarke unterschreiten, wird die Position verkauft. Etwaige aufgelaufene Gewinne lassen sich so automatisch sichern – nicht nur während der Urlaubszeit.

Langfristiges Anlegen fördert die Entspannung

Anlegerinnen und Anleger, die mit ihren Investments am Aktienmarkt – beispielsweise über Aktien- oder ETF-/Investmentfonds-Sparpläne – langfristig Vermögen aufbauen wollen, sollten sich von kurzen Sommergewittern hingegen nicht von ihrem Ziel abbringen lassen. Zwar kann der Wertzuwachs eines Depots optimiert werden, wenn Markthasen mit hohen Kursrückgängen vermieden werden und erst wieder in Phasen mit steigenden Kursnotierungen investiert wird. Dieses Timing ist jedoch sehr schwierig, denn wie gezeigt ist nicht jedes Jahr gleich. Zudem besteht bei einem solchen Vorgehen das Risiko, starke Marktphasen zu verpassen. Die Entwicklung nach dem Corona-Crash 2020 hat verdeutlicht, wie schnell sich Aktienmärkte erholen können. Wer im Zuge stark fallende Kurse ausgestiegen ist, muss dann zusehen, rasch wieder in den Markt zu kommen. Und das in einem Umfeld, in dem der Nachrichtentenor noch verstärkt negativ ist. Die psychologische Hürde, derart flexibel zu handeln, sollte nicht unterschätzt werden. Mit Investments über Sparpläne ist man dagegen immer im Markt und kann bei entsprechend langfristigem Anlagehorizont die alljährliche Urlaubszeit etwas entspannter angehen.

Autor: ING-DiBa AG