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Dividendensaison vor der Tür

Darauf gilt es, bei der Auswahl zu achten!

Von März bis in den Mai hinein verläuft in Deutschland traditionell die Dividendensaison. In dieser Zeit halten die meisten Unternehmen ihre Hauptversammlung ab und schütten anschließend die Dividende an ihre Anteilseignerinnen und Anteilseigner aus.

Die jährlichen Gewinnbeteiligungen stellen eine zusätzliche Ertragskomponente zu den möglichen Kurssteigerungen eines Aktieninvestments dar. Gerade in Zeiten, in den viele verzinsliche Anlageformen nur sehr geringe Renditen abwerfen, gewinnen Aktien mit einer hohen Dividendenrendite an Attraktivität. Die Dividendenrendite (in Prozent) errechnet sich, indem man die Dividende je Aktie mit dem Faktor 100 multipliziert und anschließenden durch den aktuellen Kurs der Aktie dividiert. Je höher die Dividendenrendite, desto attraktiver erscheint ein Investment.

Allerdings kann eine hohe Dividendenrendite auch daraus resultieren, dass die Kursnotierung einer Aktie im Zeitverlauf sinkt, das Unternehmen aber eine in ihrer Höhe unveränderte Dividende je Aktie ausschüttet. Anlegerinnen und Anleger sollten in diesem Fall genauer hinschauen, denn ein sinkender Aktienkurs kann ein Anzeichen dafür sein, dass sich die Geschäftsaussichten für das Unternehmen verschlechtern. Ob die Dividende dann auch in Zukunft unverändert gezahlt werden kann, ist zumindest fraglich.

Kriterien zur Auswahl dividendenstarker Titel

Bei der Auswahl dividendenstarker Titel ist es daher ratsam, weitere Kriterien wie die Dividendenkontinuität heranzuziehen und auch den Cashflow im Blick zu behalten. Ist ein Unternehmen in der Lage, seine Ausschüttungen über einen längeren Zeitraum kontinuierlich anzuheben oder zumindest konstant zu halten, ist dies ein Indiz für ein funktionierendes Geschäftsmodell. Allerdings können Unternehmen in schlechten Zeiten auch Rücklagen auflösen, um daraus Dividenden zu zahlen und ihre Aktionärinnen und Aktionäre bei der Stange zu halten. Geschieht dies einmalig, ist dagegen nichts einzuwenden. Grundsätzlich sollten Dividendenzahlungen aber möglichst aus den laufenden Einnahmen eines Unternehmens gedeckt werden können.

Auf den Free Cashflow achten

Hierbei kann ein Blick auf die Entwicklung des Cashflows helfen. Die Kennzahl zeigt, wie hoch der Zufluss und der Abfluss liquider Mittel aus der betrieblichen (operativen) Tätigkeit eines Unternehmens ausfallen. Da nicht zahlungswirksame Vorgänge herausgerechnet werden, spiegelt der operative Cashflow die tatsächliche Ertragskraft des Unternehmens wider. Um wettbewerbsfähig zu bleiben und wachsen zu können, müssen Unternehmen Investitionen in den Fortbestand bzw. Ausbau ihres Geschäfts tätigen. Werden diese Ausgaben vom operativen Cashflow abgezogen, erhält man den Free Cashflow. Mit diesen Mitteln, die dem Unternehmen zur freien Verfügung stehen, können Kredite getilgt, Aktienrückkäufe getätigt oder Dividenden gezahlt werden.

Ein Beispiel dafür, dass sich ein stabiler oder steigender Cashflow positiv auf die Dividendenentwicklung auswirken kann, lieferte ein deutscher Automobilhersteller, der im Februar seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2020 veröffentlichte. Aufgrund der Corona-Pandemie verbuchte der Konzern im Vergleich zum Vorjahr zwar Rückgänge beim Absatz (-15 %) und beim Umsatz (-11 %). Eine strenge Kostendisziplin, umfangreiche Maßnahmen zum Erhalt der Liquidität und eine gute Entwicklung auf dem chinesischen Markt ließen das EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) gegenüber 2019 dennoch um 53 % ansteigen. Weil zudem die Investitionen in Sachanlagen 2020 um 20 % auf 5,7 Mrd. Euro (2019: 7,2 Mrd. Euro) zurückgingen, verbuchte der Konzern einen Free Cashflow aus seinem Industriegeschäft in Höhe von 8,3 Mrd. Euro (2019: 1,4 Mrd. Euro). Angesichts der besser als erwarteten Entwicklung entschloss sich der Vorstand der Hauptversammlung eine Erhöhung der Dividende für das Geschäftsjahr 2020 auf 1,35 Euro je Aktie vorzuschlagen (2019: 0,90 Euro je Aktie).

Autor: ING