Kaufen am Allzeithoch?

Der DAX und andere Aktienindizes erklommen in den zurückliegenden Monaten neue Rekordstände oder stiegen zumindest auf die höchsten Niveaus seit mehreren Jahren. Anlegerinnen und Anleger, die zum ersten Mal ein Investment am Aktienmarkt erwägen oder vorhandene Anlagen ausbauen möchten, könnten die gestiegenen Kurse in ihrem Bestreben bremsen.

Kaufen oder Abwarten?

An den Aktienmärkten zeigt sich im laufenden Jahr größtenteils eine freundliche Grundstimmung. Der DAX und andere Indizes erklommen in den zurückliegenden Monaten neue Rekordstände oder stiegen zumindest auf die höchsten Niveaus seit mehreren Jahren.

Für Anlegerinnen und Anleger, die in den jeweiligen Index investiert sind, eine erfreuliche Entwicklung. Diejenigen, die angesichts kaum vorhandener Renditen im verzinslichen Bereich und einer steigenden Inflation zum ersten Mal ein Investment am Aktienmarkt erwägen oder vorhandene Anlagen ausbauen möchten, könnten die gestiegenen Kurse allerdings in ihrem Bestreben bremsen. Denn der Einstieg in einen Aktienmarkt, der in der Nähe seines Allzeithochs notiert, stellt oftmals eine psychologische Hürde dar. Vor dem Hintergrund, dass die höheren Renditechancen am Aktienmarkt mit einem höheren Risiko in Form von Kursschwankungen einhergehen, wirkt das Argument, mit dem Einstieg auf eine Korrektur zu warten logisch – schließlich erscheint die Fallhöhe ausgehend von einem neuen Rekordstand besonders hoch.

Doch das Warten auf den richtigen Einstiegszeitpunkt birgt ebenfalls ein Risiko: das Risiko an möglichen weiteren Kursanstiegen nicht teilzuhaben. Beispiel S&P 500: Der weithin bekannte Index bildet die Wertentwicklung der Aktien der 500 Top-Unternehmen aus den führenden Industrien der US-Wirtschaft ab. Allein in diesem Jahr markierte der S&P 500 auf Schlusskursbasis bislang 52 neue Allzeithochs. Da allerdings nicht vorhersehbar ist, ob, wann und in welchem Ausmaß es nach dem Erreichen eines Allzeithochs zu einer Korrektur kommt, kann das Warten auf den passenden Zeitpunkt zu einem echten Geduldsspiel werden und wertvolle Performance kosten.

Langfristigen Anlagehorizont mitbringen

Ein paar einfache Tipps können dabei helfen, die psychologische Hürde Allzeithoch zu überwinden. So sollte für ein Investment am Aktienmarkt ein langfristiger Anlagehorizont mitgebracht werden. Nicht ohne Grund, wie ein Blick auf die Historie des DAX zeigt. Zwar sind Kursentwicklungen der Vergangenheit kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen. Gleichwohl lassen sich daraus einige Rückschlüsse in Bezug auf den Anlagehorizont und den Einstieg an Hochpunkten ziehen.

So lag die durchschnittliche Dauer von DAX-Korrekturen mit nennenswerten Kursrückgängen bei rund eineinhalb Jahren. Wer jedoch kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase in den DAX investierte, musste deutlich mehr Geduld mitbringen. Über sieben Jahre benötigte der Index in diesem Fall, um das vorangegangene Kursniveau wieder zu erreichen.

Wer sein Geld jedoch für mindestens 10, 15 oder mehr Jahre am Aktienmarkt anlegen möchte, braucht weniger Scheu davor zu haben, in der Nähe der Höchstkurse einzusteigen. Denn durch einen langfristigen Anlagezeitraum wird dem Investment genug Zeit gegeben, um mögliche Verluste wieder aufzuholen.

Stops zur Verlustbegrenzung

Um gegen unliebsame Überraschungen in Form stark sinkender Kurse nach dem Einstieg gewappnet zu sein, ist eine Stop-Loss-Order ein probates Mittel. Damit lassen sich Verluste begrenzen – eines der obersten Gebote bei der Geldanlage. Ob ein Stop-Loss 10 %, 15 % oder 20 % unter dem Einstandskurs platziert wird, richtet sich nach der individuellen Risikobereitschaft und muss sich daran orientieren, wie hoch der Verlust ausfallen darf, den Anlegerinnen und Anleger im schlechtesten Fall zu tragen bereit sind. Beachtet werden sollte jedoch, dass die Stop-Loss-Marke nicht zu eng am aktuellen Kursniveau liegt. Ansonsten droht schon bei kleineren Kursschwankungen ein Auslösen des Stop-Loss und der Verkauf des Investments mit einem Verlust. Erholt sich die Kursnotierung anschließend wieder, können Anlegerinnen und Anleger daran nicht mehr teilhaben.

Wertpapier-Sparpläne nutzen

Darüber hinaus gibt es eine weitere Möglichkeit, die psychologische Hürde mit dem Allzeithoch zu überwinden: Wertpapier-Sparpläne. Hiermit können Anlegerinnen und Anleger regelmäßig und langfristig beispielsweise in einen ETF-Sparplan auf den DAX einzahlen. Für einen bestimmten Betrag, dessen Höhe sich individuell festlegen lässt, werden dann in ebenfalls zuvor festgelegten Intervallen Anteile an einem DAX-ETF erworben.

Wie viele Anteile mit jeder Ausführung erworben werden, hängt von der Höhe des Sparbetrags und dem jeweiligen DAX-Stand ab. Bei einem hohen Indexstand werden bei einem unveränderten Sparbetrag weniger Anteile erworben, bei niedrigeren Kursen wie nach einer größeren Korrektur erhält man entsprechend mehr ETF-Anteile. Durch regelmäßige Käufe bildet sich so langfristig ein Durchschnittspreis, der zwischen dem günstigsten und dem ungünstigsten Preis im jeweiligen Betrachtungszeitraum liegt. Verglichen mit der Einmalinvestition des gesamten Anlagebetrags, können Anlegerinnen und Anleger das Risiko, zu einem ungünstigen Zeitpunkt in den Markt einzusteigen, mit einem Wertpapier-Sparplan verringern.

Autor: ING-DiBa AG