Niedrige Wohneigentumsquote in Deutschland: Wie der Staat gegensteuern könnte
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Deutschland hinkt hinterher – zumindest was das Leben der Menschen in den eigenen vier Wänden angeht. Nach Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat ist die Wohneigentumsquote in Deutschland mit 52 % (2023) eine der niedrigsten in Europa. Eine noch niedrigere Quote hat nur noch die Schweiz mit 42,6 % – und die höchste hat Rumänien mit 95,6 %.
Dabei ist auch hierzulande der Wunsch nach einer eigenen Immobilie stark ausgeprägt. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Immobilienverbands Deutschland (IVD) ergab, dass 67 % der Mieterinnen und Mieter in Deutschland lieber in der eigenen Wohnung leben würde.
Finanzielle Hürden und Wohnraummangel als zentrale Ursachen
Die geringe Eigentumsquote ist vor allem auf finanzielle und strukturelle Probleme zurückzuführen. Viele Mieter scheitern an fehlendem Eigenkapital (48 %) oder daran, die monatlichen Kreditraten tragen zu können (40 %). Gleichzeitig verschärfen hohe Immobilienpreise, gestiegene Zinsen und Kaufnebenkosten die Situation zusätzlich. Parallel dazu fehlt es bundesweit an über 550.000 Wohnungen, insbesondere im bezahlbaren Segment und in Städten. Die Kombination aus knappen Angeboten und hoher Nachfrage treibt die Preise weiter nach oben und erschwert den Zugang zu Wohneigentum erheblich.
Große Erwartungen an staatliche Unterstützung
Vor diesem Hintergrund sprechen sich viele Befragte für stärkere politische Maßnahmen aus. Insgesamt 65 % fordern staatliche Unterstützung, um den Zugang zu Wohneigentum zu erleichtern.
Besonders häufig genannt werden dabei:
- steuerliche Förderungen für selbstgenutztes Wohneigentum (69 %)
- eine Senkung der Grunderwerbsteuer (59 %)
- sowie die Wiedereinführung der Eigenheimzulage (51 %)
Diese Forderungen verdeutlichen, dass viele Haushalte ohne politische Eingriffe kaum Chancen sehen, den Schritt ins Wohneigentum zu schaffen.
Fehlendes Kapital als Hemmschuh?
Das Institut der deutschen Wirtschaft sieht in einer Studie vor allem den Mangel an Kapital als Hemmnis für den Erwerb von Wohneigentum. Wer hierzulande eine Immobilie kaufen möchte, muss bis zu 8 % des Kaufpreises für Grunderwerbsteuer, Notar und Grundbuchamt aufbringen. Zusätzlich fällt gegebenenfalls eine Provision für den Makler oder für die Maklerin an. Diese Kaufnebenkosten genannten Posten müssen aus eigener Tasche gezahlt werden und erhöhen somit den Eigenkapitalbedarf. Denn die Baufinanzierung kommt lediglich für den Kaufpreis der Immobilie auf. Mehr zum Thema Eigenkapital beim Hauskauf finden Sie hier.
Unbefristete Verlängerung von Baukindergeld gefordert
Fehlendes Eigenkapital ist für viele private Haushalte die zentrale Hürde beim Wohneigentumserwerb – so sieht es auch IVD-Präsident Jürgen Michael Schick: „Genau an dieser Stelle setzt das Baukindergeld an“, sagt Schick. Es habe vor allem Haushalte mit geringem und mittlerem Einkommen unterstützt, die es in Zeiten niedriger Zinsen besonders schwer hätten, Eigenkapital zu bilden.
- Gut zu wissen beim Baukindergeld: Das Baukindergeld ist ein staatlicher Zuschuss für Familien mit Kindern und Alleinerziehende für den Bau oder Kauf der eigenen vier Wände. Voraussetzung: Ein Haushaltseinkommen von maximal 90.000 Euro bei einem Kind plus 15.000 Euro für jedes weitere Kind. Pro Kind können Eltern 12.000 Euro erhalten, ausgezahlt in zehn jährlichen Raten zu je 1.200 Euro. Um vom Baukindergeld zu profitieren, müssen Sie zwischen dem 1. März 2018 und dem 31. März 2021 Ihren Kaufvertrag unterzeichnet haben oder es muss Ihnen die Baugenehmigung erteilt worden sein. Den Antrag auf Baukindergeld stellen Sie nach Ihrem Einzug. Dafür haben Sie sechs Monate Zeit. Der 31. Dezember 2023 ist der letzte Tag, an dem Sie einen Antrag auf Baukindergeld stellen können. Hier haben Sie die Möglichkeit dazu.
Laut IVD-Präsident Schick haben bislang deutlich mehr als 300.000 Familien von der bisherigen Förderung profitieren können, die Mehrheit von ihnen mit mehr als zwei Kindern und einem jährlichen Haushaltseinkommen von weniger als 40.000 Euro. Schick ist dafür, das Baukindergeld unbefristet zu verlängern.
Grunderwerbssteuer drastisch reduzieren oder kippen
Um die Wohneigentumsquote in Deutschland zu erhöhen, kann aus Sicht von Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbands der Wohnungswirtschaft, das Baukindergeld nur ein Baustein sein. Er spricht sich unter anderem für eine drastische Minderung der Grunderwerbssteuer sowie der Notar- und Grundbuchgebühren für den Ersterwerb einer Immobilie aus. IVD-Präsident Schick geht sogar noch einen Schritt weiter: „Der effektivste und einfachste Weg, Familien beim Erwerb von Wohneigentum zu entlasten, wäre der Wegfall der Grunderwerbssteuer für Selbstnutzer.“